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Colchizin
Synonym(e)
Definition
Alkaloid der Herbstzeitlose, N-acetyliertes Troponalalkaloid, Immunsuppressivum. S.a. Colchici semen.
Pharmakodynamik (Wirkung)
Hemmung der Metaphase in Granulozyten durch Wechselwirkung mit den Mikrotubuli, Hemmung der Chemotaxis, Hemmung der Granulafreisetzung aus Mastzellen, Hemmung des Melanintransfers zwischen Melanozyten und Keratinozyten.
Indikation
Akuter Gicht-Anfall (entspr. Leitlinie S2e), Behçet, M., CREST-Syndrom.
Indikation Gicht - entsprechend der S2 e Leitlinie Gichtarthritis.
Wirkmechanismus: Hemmung der Ausbildung des Mikrotubulus-Apparates mit Verhinderung der Wanderung und der Phagozytoseaktivität von neutrophilen Granulozyten und Makrophagen, die die ausgefallenen Uratkristalle phagozytieren und eine Entzündung induzieren.
Indikation Rheuma: entzündungshemmende Wirkung.
Indikation: Obstipation: Hemmung der Regeneration der Zellen der Darmschleimhaut mit laxierender Wirkung - strenge Indikation! cave Vergiftungen! maximale Dosis 6 mg!
Indikation Stentimplantation: niedrig dosierte Colchicinbehandlung kann die Restenosierung verhindern!
Familiäres Mittelmeerfieber: Prophylaxe und Therapie
COVID-19-Infektion: Bei Makrophagenaktivierungssyndrom mit Atemnot - (kleine randomisierte Studie im Jahr 2019)
Eingeschränkte Indikation
Dosierung und Art der Anwendung
Akuter Gicht-Anfall: Zunächst 1 mg, dann 0,5 mg p.o. alle 1-2 Std. bis zum Abklingen der Schmerzen, max. 8 mg/Tag.
Behçet, M., CREST-Syndrom: 2mal/Tag 0,6 mg p.o.
Merke! Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist vor Einleitung der Therapie ein Schwangerschaftstest durchzuführen. Unter der Therapie und bis 3 Monate nach Absetzen der Präparate muss eine sichere Kontrazeption durchgeführt werden!
Merke! Männer sollten unter einer Dauertherapie und bis 3 Monate nach Absetzen der Präparate keine Kinder zeugen. Zudem sollte vor Einleitung und nach Abschluss der Behandlung ein Spermiogramm durchgeführt werden und die Patienten vor Therapiebeginn auf die Möglichkeit einer Kryokonservierung von Spermien hingewiesen werden!
Unerwünschte Wirkungen
Wechselwirkungen
Kontraindikation
Präparate
Hinweis(e)
Colchizin hat rund 3500 Jahre nach seiner ersten medizinischen Anwendung im alten Ägypten inzwischen eine wichtige Rolle bei der z.B. in der Behandlung von kardiovaskulären Entzündungen eingenommen. Ursprung sind die Blüten der Herbstzeitlose, einer hochgiftigen Lilienpflanze mit violetten Blüten. Der Name „Colchicum“ verweist auf Kolchis, eine antike Landschaft am Schwarzen Meer (heute Georgien) – die mythische Heimat der Medeas (s. Medea von Euripides 431 v. Chr.). Bereits in der Antike wurde Colchizin bei der Podagra verwendet. Alexander von Tralleis beschrieb colchizinhaltige Pflanzen ausdrücklich zur Behandlung der Gicht – und war mit seinen Therapien bemerkenswert präzise und erfolgreich. Die Cholchizin-Therapie wurde durch die arabische Medizin weiter tradiert: Gicht galt damals als klassische Erkrankung der Wohlhabenden, und „Kolchikum“ wurde zu einem nahzu legendären Mittel gegen die „Krankheit der Könige“. Im Europa des 18. Jahrhunderts wurde Kolchikum äußerst populär. Berühmt das „Eau médicinale“, ein geheim gehaltenes französisches Gichtmittel, dessen Colchizin-haltiger Inhalt erst später erkannt wurde. 1820 isolierten die französischen Chemiker Pierre Joseph Pelletier und Joseph Bienaimé Caventou das reine Alkaloid Colchizin. Damit begann die moderne pharmakologische Geschichte der Substanz. Heute weiss man, dass Colchizin vor allem über die Hemmung neutrophiler Entzündungsreaktionen und des NLRP3-Inflammasoms wirksam ist. Kaum ein anderes Mittel verkörpert die Geschichte der Medizin so eindrucksvoll wie Colchizin: Der Bogen spannt sich von der antiken Erfahrungsheilkunde, über die mittelalterliche Humoralpathologie, und die aristokratische „Wohlstandskrankheit“ schließlich zur modernen molekularen Pharmakologie.
Tabellen
Wesentliche Wechselwirkungen von Colchicin
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Ciclosporin A |
Myopathie, Nierenschaden, Rhabdomyolyse |
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Cyanocobalamin p.o. |
Cyanocobalamin-Spiegel ↓ durch Malabsorption |
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Erythromycin |
Colchicin-Toxizität ↑ |
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Sulfinpyrazon |
Leukämie bei Langzeittherapie mit Colchicin |
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Sympathomimetika |
Sympathomimetikum-Wirkung |