Bruton-Tyrosinkinase; BTK; Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor;
Rilzabrutinib
Keywords
Definition
Rilzabrutinib ist ein oral applizierbarer, reversibel kovalent bindender Inhibitor der Bruton-Tyrosinkinase (BTK). Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der BTK-Inhibitoren der neueren Generation und besitzt sowohl immunmodulatorische als auch antiinflammatorische Eigenschaften.
Pharmakodynamik (Wirkung)
Rilzabrutinib bindet reversibel-kovalent an den Cysteinrest Cys481 der BTK und hemmt deren enzymatische Aktivität. Dadurch werden mehrere immunologische Signalwege beeinflusst:
- B-Lymphozyten: Hemmung der B-Zell-Rezeptor-Signaltransduktion und damit der B-Zell-Aktivierung.
- Mastzellen und Basophile: Hemmung FcεRI-vermittelter Aktivierung und Degranulation.
- Makrophagen und Monozyten: Abschwächung Fcγ-Rezeptor-vermittelter Entzündungsreaktionen.
Besonderheit: Im Gegensatz zu irreversiblen BTK-Inhibitoren wie Remibrutinib u.a. ist die kovalente Bindung von Rilzabrutinib reversibel. Die BTK-Hemmung kann somit trotz relativ kurzer Plasmahalbwertszeit über die unmittelbare Expositionsphase hinaus anhalten.
BTK (s.u. BTK-Gen)ist ein intrazelluläres Signalmolekül. Die BT-Kinase kommt in B-Zellen vor. Dort steuert ihre Signalübertragung Überleben, Proliferation und Reifung. BTK gehört zu mehreren Entzündungswegen die zur Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms sowie zur Signalübertragung über den Fc-Gamma-Rezeptor (FcγR) und über Toll-like-Rezeptoren führen.
Indikation
Behandlung der Immunthrombozytopenie (ITP) bei Erwachsenen, die gegenüber anderen Therapien refraktär sind (EU-Zulassung seit Dezember 2025). Dosierung: 400 mg oral zweimal täglich. Bei unzureichendem Thrombozytenanstieg Abbruch nach spätestens 12 Wochen gemäß Fachinformation. In der Phase-III-Studie LUNA-3 erreichten 23,3 % der behandelten Patienten ein dauerhaftes Thrombozytenansprechen gegenüber 0 % unter Placebo.
In klinischer Erprobung:
- Chronische spontane Urtikaria (CSU/experimentell): Rilzabrutinib hemmt die durch IgE-Vernetzung induzierte Degranulation in Mastzellen und Basophilen. In einer größeren randomisierten Studie wurden 160 Omalizumab-naive Patienten und Patienten mit unvollständigem Ansprechen auf Omalizumab mit Rilzabrutinib behandelt. Die Primäranalysepopulation umfasste ausschließlich die 143 Omalizumab-naiven Patienten. In Woche 12 wurden unter Rilzabrutinib 1200 mg/Tag im Vergleich zu Placebo signifikante Reduktionen des ISS7-Werts gegenüber dem Ausgangswert beobachtet. CSU-bezogene Biomarker, darunter der lösliche Mas-verwandte G-Protein-gekoppelte Rezeptor X2, Immunglobulin (Ig)-G-Antithyroid-Peroxidase, IgG-Anti-Fc-ε-Rezeptor 1 und Interleukin-31, waren in Woche 12 im Vergleich zu Placebo reduziert. Rilzabrutinib zeigte ein günstiges Risiko-Nutzen-Profil (Giménez-Arnau A et al. 2025):
- Pemphigus vulgaris
Dosierung und Art der Anwendung
Empfohlene Dosis (oral): 400 mg zweimal täglich.
Unerwünschte Wirkungen
Diarrhö, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Nasopharyngitis und Arthralgien.
Wechselwirkungen
Klinisch relevante Wechselwirkungen bestehen insbesondere mit CYP3A-modulierenden Arzneimitteln.
Präparate
Rilzabrutinib ist unter dem Handelsnamen Wayrilz® seit dem 1. Oktober 2026 auf dem deutschen Markt verfügbar. Zugelassene Indikation: Behandlung der immunologischen Thrombozytopenie (ITP) bei erwachsenen Patienten, die gegenüber anderen Therapien refraktär (resistent) sind.
Literatur
- EMA: Wayrilz – Zulassung und klinische Wirksamkeit
- EMA: Deutsche Fachinformation Rilzabrutinib
- G-BA: Nutzenbewertungsverfahren 2026
- Giménez-Arnau A et al. (2025) Rilzabrutinib in Antihistamine-Refractory Chronic Spontaneous Urticaria: The RILECSU Phase 2 Randomized Clinical Trial. JAMA Dermatol 161:679-687.
- Maurer M et al. (2024) Dupilumab in patients with chronic spontaneous urticaria (LIBERTY-CSU CUPID): Two randomized, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trials. J Allergy Clin Immunol 154:184-194.