LeberausfallkomaK72.9

Autor:Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 15.07.2026

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Synonym(e)

Coma hepaticum; hepatisches Koma; Leberkoma

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Definition

Das Leberausfallkoma stellt das Stadium IV der West-Haven-Klassifikation einer hepatischen Enzephalopathie dar (Herold 2025). Es handelt sich dabei um eine schwere Form der Bewusstseinsstörung, die durch ein Organversagen der Leber auftritt (Güler 2022).

Einteilung

Beim Leberkoma differenziert man zwischen:

Leberzerfallskoma:

Dieses wird auch als endogenes Leberkoma bezeichnet, da es durch einen akuten Untergang der Leberzellen hervorgerufen wird. Man findet es z. B. bei einer fulminant verlaufenden Virushepatitis oder einer Vergiftung durch Tetrachlorkohlenstoff, Knollenblätterpilze oder Paracetamol (Güler 2022).

Leberausfallkoma:

Diese Form entwickelt sich auf dem Boden einer Leberzirrhose. Hier wird über Kollateralkreisläufe Blut an der Leber vorbeigeleitet. Dadurch können in der Leber neurotoxische Stoffwechselprodukte nicht mehr eliminiert werden und gelangen so zum Gehirn. Diese Art des Leberkomas wird durch bestimmte Auslöser getriggert und tritt z. B. durch hohe Eiweißzufuhr oder Alkoholkonsum (Güler 2022).

 

West-Haven-Klassifikation: Die HE wird nach der West-Haven-Klassifikation in fünf Schweregrade eingeteilt.

  • Stadium 0 (Asymptomatische HE): Hierbei sind keine klinischen Symptome erkennbar, jedoch zeigen die Patienten erste Auffälligkeiten bei psychometrischen Tests (Herold 2025). Zu den derzeit am häufigsten verwendeten Tests zählen z.B. der MELD- und der Child-Turcotte-Pug-Score (Rothkäppel 2021).
  • Stadium I (Subklinische HE): Leichtgradige Minderung der Bewusstseinslage mit zunehmendem Schlafbedürfnis, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, verwaschener Sprache und Schlafstörungen (Herold 2025).
  • Stadium II (Manifeste HE): Erhebliche Minderung der Bewusstseinslage mit Orientierungsstörungen, ausgeprägter Gedächtnisstörung, Auftreten eines Flapping Tremors, Veränderungen der Schriftprobe, im EEG zeigen sich triphasische Wellen (Herold 2025).
  • Stadium III (Manifeste HE): Hochgradige Bewusstseinsstörung, der Patient schläft größtenteils, ist aber erweckbar. Sehnen- und Kornealreflexe sind erhalten, es besteht ein Foetor hepaticus, im EEG zeigen sich weiterhin triphasische Wellen (Herold 2025).
  • Stadium IV (Coma hepaticum): Bewusstlosigkeit ohne Reaktion auf Schmerzreize, deutlicher Foetor hepaticus, Erlöschen der Muskeleigenreflexe und des Kornealreflexes; weiterhin Muskelsteife mit Beuge- und Streckhaltung. Im EEG zeigt sich eine Delta-Aktivität (Herold 2025).

Vorkommen/Epidemiologie

Die Inzidenz der Leberzirrhose liegt in Europa bei ca. 250 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr. 22 % - 74 % der Patienten mit Leberzirrhose entwickeln eine hepatische Enzephalopathie. Männer und Frauen sind gleichhäufig betroffen. Die Häufigkeit der Entwicklung einer Leberzirrhose steigt mit dem Alter und dem Fortschreiten der Lebererkrankung an (Gehring 2024).

Ätiopathogenese

Das Leberzerfallskoma kann hervorgerufen werden durch:

  • fulminant verlaufende Virushepatitis
  • Vergiftung durch Tetrachlorkohlenstoff, Knollenblätterpilze oder Paracetamol (Güler 2022)

Das Leberausfallkoma wird hervorgerufen durch:

Pathophysiologie

Durch die mangelnde Entgiftungsfunktion der Leber kommt es zu einer Anhäufung toxischer Substanzen wie z. B. Ammoniak im Blut, was zu schweren ZNS-Schädigungen mit Koma führt (Menche 2020).

Klinik

Die klinischen Symptome eines Leberausfallkomas bestehen in:

  • tiefer Bewusstlosigkeit
  • Foetor hepaticus
  • Areflexie
  • anfänglich gesteigerte Muskelspannung, später dann Verlust der Muskelspannung (Güler 2022)

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt anhand einer Fremdanamnese (Medikamente, Reise, Infektion, Leberzirrhose etc.), durch Bildgebung und Bestimmung der Laborwerte (Güler 2022).

Labor

Bei einem Leberausfallkoma sind folgende Laborwerte pathologisch:

  • Ammoniak erhöht (die Höhe der Ammoniakwerte korreliert oft mit dem Schweregrad der Enzephalopathie)
  • ALT und AST erhöht
  • Bilirubin erhöht
  • Albumin erniedrigt
  • Prothrombinzeit verlängert
  • Elektrolytstörungen wie z.B.:
    • Hyponatriämie
    • Hypokaliämie (Gehring 2024)

Differentialdiagnose

Therapie allgemein

Das Leberkoma wird intensiv-medizinisch behandelt (Güler 2022). Es stehen im Vordergrund:

  • Beseitigung der auslösenden Faktoren
  • eiweißarme, kalorienreiche Nahrung
  • Darmsterilisation
  • Kontrolle und Korrektur von Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt (Menche 2020)
  • Vorübergehend lässt sich die fehlende Organfunktion durch eine Leberdialyse ersetzen, letztendlich ist eine Lebertransplantation angezeigt (Güler 2022).

Verlauf/Prognose

Das Leberausfallkoma ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die meistens letal endet (Güler 2022).

Literatur

  1. Gehring W G (2024) Hepatische Enzephalopathie. Doc Medicus https://www.gesundheits-lexikon.com/Leber-Gallenblase-Bauchspeicheldruese/Hepatische-Enzephalopathie/Einleitung
  2. Güler I, Antwerpes F, Ostendorf N  (2022) Coma hepaticum. DocCheck Flexikon https://flexikon.doccheck.com/de/Coma_hepaticum
  3. Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 554
  4. Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education
  5. Menche N (2020) WEISSE REIHE: Innere Medizin. Elsevier Urban und Fischer Verlag Deutschland 123
  6. Rothkäppel A (2021) Auftreten von leberfunktionsassoziierten Komplikationen und Versterben von Patienten mit Leberzirrhose. FU Berlin https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/29816
  7. Thierbach A (2002) Lexikon der Notfallmedizin. Springer Verlag Berlin / Heidelberg 250

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