Leber-/Gallengangsparasiten

Autor:Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 27.07.2026

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Erstbeschreiber/Historie

Theodor Bilharz entdeckte 1852 als Erster die Schistosomen, deren Erkrankung nach ihm als sog. Bilharziose benannt wurde (Riemann 2008).

Definition

Unter Leber- und Gallengangsparasiten versteht man den Parasitenbefall der Leber bzw. der Gallengänge (Riemann 2008).

Allgemeine Information

Zu den Leber- bzw. Gallengangsparasiten zählen insbesondere:

  • Trematoden sog. Plattwürmer
  • Schistosomen wie z.B. Bilharziose (Riemann 2008)
  • Askariden sog. Spulwürmer
  • Echinococcus sog. Hundebandwurm
  • Zerkarien wie z. B. Fasciola hepatica und Clonorchis sinensis (Herold 2025)
  • Entamoeba histolytica sog. Ruhramöbe (Auer 2018)

Durch Parasitenbefall können teilweise schwerwiegende chronische Gesundheitsschäden ausgelöst werden. Deshalb ist die frühzeitige Diagnosestellung von großer Bedeutung, zumal die Therapie in den meisten Fällen nicht schwierig ist (Riemann 2008).

Vorkommen

Parasiten leben seit jeher mit Menschen zusammen, die Leber ist dabei besonders anfällig für parasitäre Infektionen (Shahid 2025).

In Europa findet man Leber- und Gallengangsparasiten nur selten (Herold 2025). Allerdings sind Parasitosen wegen der zunehmenden Reisefrequenz inzwischen von wachsender Bedeutung (Riemann 2008).

Trematoden kommen insbesondere in den Tropen vor (Riemann 2008).

Die Larven der Schistosomen dringen beim Baden in Süßwasser durch die Haut ein.

Askariden gelangen durch Düngung auf Gemüse (Füeßl 2001).

Eine Infektion mit dem Parasiten Echinococcus granulosus kann weltweit auftreten, findet sich aber bevorzugt in Mittelmeerländern und auf dem Balkan (Antwerpes 2023).

Fasziolose ist ein weitverbreitetes Krankheitsbild bei z. B. Rindern und Schafen. Humanen Befall findet man in Afrika, Zentral- und Südamerika, China, Europa und im Mittleren Osten (Riemann 2008).

Entamoeba histolytica ist ebenfalls weltweit verbreitet, kommt aber bevorzugt bei mangelnder Hygiene in den Tropen vor (Auer 2018).

Ätiologie

  • Trematoden:

Menschen infizieren sich insbesondere durch den Verzehr von ungenügend gekochtem Fisch (Beck 2009).

  • Schistosomen:

Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit Süßwasser. Die Schistosomen können die menschliche Haut durchdringen und gelangen über Blut- und Lymphgefäße zunächst in Lunge und Herz und durch das arterielle Gefäßsystem in die Leber und von dort aus in den Darm (Riemann 2008).

  • Askariden:

Die Infektion erfolgt durch askarineierhaltige Speisen wie z.B. Salat und andere Gemüse (Füeßl 2001).

  • Echinococcus granulosus:

Menschen können sich durch orale Aufnahme von Larven mit Echinococcus infizieren (Antwerpes 2023).

  • Zerkarien:

Zu einer Infektion kann es z. B. durch Verschlucken von Zysten mit Saugwurmlarven eines eingelegten Süßwasserfisches kommen (Marie 2025).

  • Entamoeba histolytica

Die Infektion erfolgt durch orale Aufnahme der Zysten. Diese werden von Betroffenen dann über die Fäzes ausgeschieden (Auer 2018).

Pathophysiologie

  • Trematoden

Infizierte Menschen scheiden mit dem Stuhl Parasiteneier aus. Diese müssen in Süßwasser gelangen, damit sich daraus eine Wimperlarve bilden kann. Diese infiziert Wasserschnecken, mit denen sich Menschen infizieren können (Riemann 2008).

  • Schistosomen:

Die adulten Würmer richten im Wirt keine Schäden an, aber die Eier entwickeln sich in der Leber und bewirken dort durch Stoffwechselprodukte eine granulomatöse Entzündung, die letztendlich in eine Fibrose übergeht (Riemann 2008)

  • Askariden:

Die Eier entwickeln sich im Darm zu Larven, die durch die Darmwand in die Blutwege und somit in die Leber gelangen. Von dort aus wandern sie in die Lunge, wo sie sich weiter entwickeln (Füeßl 2001).

  • Echinococcus granulosus:

Nach oraler Aufnahme schlüpfen die Larven im Darm und erreichen dann über die V. portae die Leber. Von dort aus können sie auch andere Organe, insbesondere die Lunge, erreichen. Die Zysten der Echinococcus granulosus sind von einer Bindegewebekapsel umgeben (Antwerpes 2023).

  • Zerkarien:

Tiere scheiden Eier mit dem Stuhl aus. Bei Kontakt mit Wasser schlüpfen aus den Eiern Mirazidien aus, die sich in Wasserschnecken und Wasserpflanzen zu Zerkarien entwickeln. Nach Kontakt mit Menschen schlüpfen die Zerkarien ins Duodenum, durchwandern die Darmwand und dringen letztlich in die Leber ein. Dort führen sie zu Entzündungen des Leberparenchyms mit reaktiver Fibrose. Nach Wochen gelangen die geschlechtsreifen Würmer in die Gallengänge. Die Lebenszeit eines erwachsenen Wurmes beträgt 9 – 13 Jahre (Riemann 2008).

  • Entamoeba histolytica

Aus den oral aufgenommenen Zysten befreit sich die Amöbe von der Zystenmembran und beginnt sich zu teilen. Zytolytische Enzyme dringen in das Darmgewebe ein und verursachen Diarrhoen. Unbehandelt gelangen Magnaformen auch in die Leber, wo sie Parenchymzellen zerstören und ausgedehnte Nekrosen hervorrufen. Diese Nekrosen werden als Amöbenleberabszess (ALA) bezeichnet (Auer 2018).

Manifestation

  • Echinococcus granulosus:

Die Zysten können in jedem Lebensalter, selbst bei Kleinkindern auftreten (RKI 2026).

Lokalisation

  • Echinococcus granulosus:

Die Zysten befinden sich am häufigsten in der Leber (zu 70%) und am zweithäufigsten mit 20 % in der Lunge (RKI 2026)

Klinik

Je nach Art der Parasiten können folgende Symptome auftreten:

  • Trematoden:
    • Abdominelle Schmerzen
    • Ikterus (Liepsch 2024)
  • Schistosomiasis:
    • Innerhalb weniger Tage nach Exposition entwickelt sich ein juckender Hautausschlag an der Eintrittspforte
    • 3 – 6 Wochen nach der Infektion kommt tritt Fieber auf
    • Organfibrose (Riemann 2008)
  • Askariden:
    • Abdominelle Schmerzen
    • Stuhlunregelmäßigkeiten
    • Verschlussikterus (Füeßl 2001)
  • Echinococcus:
    • Die Erkrankung bleibt lange Zeit asymptomatisch. Erst bei größer werdenden Zysten können auftreten:
    • Fistelbildung
    • Bakterielle Superinfektion
    • Anaphylaktische Reaktion nach Zystenruptur (RKI 2026)
  • Zerkarien:
    • Fieber
    • Schüttelfrost
    • Abdominelle Schmerzen
    • Ikterus
    • Diarrhoen
    • Gewichtsverlust (Marie 2025)
  • Entamoeba histolytica:
    • Blutig-schleimige Diarrhoen
    • Kommt es im weiteren Verlauf zu einem lebensgefährlichen Amöbenleberabszess, treten folgende Symptome auf:
    • Ausgeprägtes Krankheitsgefühl
    • Schmerzen im rechten Oberbauch
    • Fieber
    • erhöhte Entzündungsparameter (Auer 2018)

Diagnostik

  • Trematoden:

Mikroskopisch lassen sich Leberegeleier in Stuhl und Duodenalsaft nachweisen. Außerdem bestehen eine Leukozytose und Eosinophilie. Spezifische Antikörper sind zusätzlich nachweisbar (Muntau 2028).

  • Schistosomiasis:

Hier erfolgt die Diagnostik durch Nachweis von Eiern im Stuhl oder Urin. Allerdings dauert die Entwicklung der Eier mehrere Monate.

Spezifische Antikörper lassen sich in > 90 % der Fälle nachweisen (Fuchs 2025).

  • Askariden:

Nachweis von Spulwurm-Eiern im Stuhl und starke Eosinophilie (Füeßl 2001).

  • Echinococcus granulosus:

Hierbei erfolgt die Diagnostik durch bildgebende Verfahren mit Nachweis von Zysten. Durch serologisch Untersuchungen lassen sich spezifische Antikörper nachweisen (Antwerpes 2023).

  • Zerkarien:

Die Diagnostik bei Saugwurmlarven erfolgt durch Nachweis von Saugwurmeiern im Stuhl des Patienten. Weiterhin durch bildgebende Diagnostik wie z. B. Sonographie bzw. CT oder MRT der Leber und Blutuntersuchungen zum Nachweis von Antikörpern (Marie 2025).

Eine erhöhte BSG und Hypergammaglobulinämie können vorhanden sein (Riemann 2008).

  • Entamoeba histolytica:

Die Diagnostik erfolgt durch die Anamnese, bildgebende Verfahren und den parasitologisch-serologische Untersuchungen auf spezifische Antikörper (Auer 2018).

Differentialdiagnose

  • Entamoeba histolytica:

Bei Auftreten eines Amöbenleberabszesses sollte differentialdiagnostisch ein pyogener Abszess ausgeschlossen werden (Auer 2018).

Komplikation(en)

  • Bei Trematoden:
  • Bei Echinococcus granulosus:
    • Extrahepatische Cholestase und Cholangitis (Antwerpes 2023)
  • Bei Entamoeba histolytica:
    • Auftreten eines lebensbedrohlichen Amöbenleberabszess (Auer 2018)

Therapie allgemein

  • Trematoden

Saugwürmer z. B. können durch Praziquantel oder Triclabendazol eliminiert werden (Marie 2025).

  • Schistosomiasis:

Als Mittel der Wahl gilt hier Praziquantel in einer Dosierung von 1 x 40 mg / kg KG / d über insgesamt 3 Tage (Fuchs 2025).

  • Askariden:

Die Behandlung erfolgt durch Vermox oder Helmex (Füeßl 2001).

  • Echinococcus granulosus:

Solange die Zysten asymptomatisch sind, ist eine medikamentöse Therapie unter laufenden Kontrollen mit Albendazol möglich. Bei funktionellen Beschwerden hingegen, sollten die Zysten interventionell oder chirurgisch behandelt werden (s.w.u.) (Antwerpes 2023).

  • Zerkarien:

In Deutschland gibt es kein offiziell zugelassenes Medikament bei einer Fasciola -Infektion. In der Tiermedizin wird das auch für Menschen sehr wirksame Triclabendazol in einer Dosis von 10 – 12 mg / kg Körpergewicht über 1 – 2 Tage verabreicht (Riemann 2008).

  • Entamoeba histolytica:

Hier ist Metronidazol nach wie vor das Therapeutikum der 1. Wahl. Die Dosierung von 3 x 10 mg/kg/ Tag (Maximaldosis 800 mg 3 x täglich) sollte über 10 Tage verabreicht werden (Auer 2018).

Operative Therapie

  • Zerkarien:

Bei Saugwurmlarven können bisweilen auch operative Eingriffe erforderlich werden wie z. B. bei Blockierung es Gallengangs (Marie 2025).

  • Echinococcus granulosus:

Sobald durch die Zysten funktionelle Beschwerden bestehen, sollte eine interventionelle oder chirurgische Resektion der Zysten erfolgen. Dabei sollte unbedingt eine Notfallmedikation bezüglich allergischer Reaktionen bereitgehalten werden. Vor und nach dem Eingriff werden die Patienten mit Albendazol behandelt (Antwerpes 2023).

Prognose

Saugwürmer können ohne Behandlung 20 – 30 Jahre im menschlichen Körper verbleiben (Marie 2025).

Literatur

  1. Antwerpes F et al. (2023) Zystische Echinokokkose. DocCheck Flexikon: https://flexikon.doccheck.com/de/Zystische_Echinokokkose
  2. Auer H (2018) Tropenmedizinisch relevante Parasitosen der Leber. Universimed https://www.universimed.com/ch/article/infektiologie/tropenmedizinisch-relevante-parasitosen-der-leber-2113089
  3. Beck W, Pantchev N (2009) Parasitäre Zoonosen. Schlütersche Verlagsgesellschaft 16
  4. Fuchs A (2025) Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin: Infektiologie. Leitlinien-basierte Empfehlungen für die Praxis. Elsevier Urban und Fische Verlag 271 – 272
  5. Füeßl H S (2001) Innere Medizin in Frage und Antwort. Georg Thieme Verlag Stuttgart / New York 418
  6. Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 563
  7. Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education
  8. Liepsch D, (2024) Krankenhaus-und Labortechnik. Walter de Gruyter Verlag
  9. Marie C, Petri W A, Muzny C A  (2025) Saugwurminfektionen der Leber. MSD Manuals https://www.msdmanuals.com/de/heim/infektionen/parasiteninfektionen-trematoden-saugw%C3%BCrmer/saugwurminfektionen-der-leber
  10. Muntau C, Driemeyer J (2028) Pädiatrie hoch 2Elsevier Urban und Fischer Verlag  232
  11. Riemann J et al. (2008) Gastroenterologie in Klinik und Praxis. Leberparasitosen. DOI: 10.1055/b-0034-79939
  12. Riemann J F, Fischbach W, Gall P R, Mössner J  (2008) Gastroenterologie. Das Referenzwerk für Klinik und Praxis. Georg Thieme Verlag Stuttgart / New York1342
  13. RKI (20026) Echinokokkose. RKI Ratgeber https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Echinokokkose.html?nn=16777040#doc16791152bodyText10
  14. Shahid Y, Emman B, Abid S (2025) Liver parasites: A global endemic and journey from infestation to intervention. World J Gastroenterol. 31 (1) 101360 doi: 10.3748/wjg.v31.i1.101360.

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Zuletzt aktualisiert am: 27.07.2026