Alters-Rheumatoide Arthritis (LORA) M06.99

Zuletzt aktualisiert am: 02.07.2026

Synonym(e)

Alters-RA; Late-Onset Rheumatoid Arthritis; LORA

Kostenlose Fachkreis-Registrierung erforderlich

Bitte melden Sie sich an, um auf alle Artikel, Bilder und Funktionen zuzugreifen.

Unsere Inhalte sind ausschließlich Angehörigen medizinischer Fachkreise zugänglich. Falls Sie bereits registriert sind, melden Sie sich bitte an. Andernfalls können Sie sich jetzt kostenlos registrieren.


Kostenlose Fachkreis-Registrierung erforderlich

Bitte vervollständigen Sie Ihre Pflichtangaben:

E-Mail Adresse bestätigen
oder
Fachkreisangehörigkeit nachweisen.

Jetzt abschließen

Definition

Unter „Spät einsetzender rheumatoider Arthritis auch Late-Onset Rheumatoid Arthritis oder LORA" genannt,  versteht man eine rheumatoide Arthritis (RA), bei der die ersten Symptome und Anzeichen erst nach dem 60. oder 65. Lebensjahr auftreten.  LORA unterscheidet sich in mehreren klinischen, immunologischen und therapeutischen Aspekten von der klassischen, früh beginnenden Rheumatoiden Arthritis (EORA, Early-Onset Rheumatoid Arthritis). 

Vorkommen/Epidemiologie

LORA macht etwa 10–30 % aller Neuerkrankungen der Rheumatoiden Arthritis aus. Aufgrund des demographischen Wandels nimmt ihre Bedeutung kontinuierlich zu. Frauen sind weiterhin häufiger betroffen; in höheren Altersstufen nahezu parietätisches m:w=1:1 (Zimba O et al. 2025).

Pathophysiologie

Die Pathogenese entspricht grundsätzlich der klassischen Rheumatoiden Arthritis, wird jedoch durch Alterungsprozesse des Immunsystems erheblich beeinflusst. Hierzu gehören insbesondere:

  • Immunoseneszenz
  • Abnahme naiver T-Lymphozyten
  • Expansion terminal differenzierter CD28-negativer T-Zellen
  • reduzierte regulatorische T-Zellen
  • eingeschränkte B-Zell-Neubildung
  • eingeschränkte Antikörperdiversität

Ältere Menschen weisen bereits ohne manifeste Erkrankung eine chronisch niedriggradige Entzündungssymptomatik auf was als Inflammaging bezeichnet wird.

Manifestation

Definitionsgemäß zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr.

Klinik

Die klinische Präsentation unterscheidet sich teilweise deutlich von der klassischen RA. Typische Merkmale sind ein akuter Beginn häufig innerhalb weniger Wochen mit ausgeprägten Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Gewichtsverlust, Krankheitsgefühl, Fieber, Morgensteifigkeit. Im Gegensatz zur klassischen RA sind v.a. große Gelenke entzündlich betroffen: Schulter, Knie, Ellenbogen, Hüfte.

Mit Fortschreiten entwickelt sich meist das klassische Bild einer symmetrischen rheumatoiden (Poly-)Arthritis.

Labor

Charakteristisch sind erhöhte Spiegel von

  • IL-6
  • TNF-α
  • IL-1β
  • CRP

Diese Veränderungen senken vermutlich die Schwelle zur Autoimmunität.

Therapie

Patienten mit LORA leiden häufig an altersbedingten geriatrischen Syndromen wie Gebrechlichkeit, kognitivem Verfall und Mangelernährung, zusätzlich zu Begleiterkrankungen wie kardiovaskulären Störungen, Lungenbeteiligung, onkologischen Erkrankungen und Osteoporose (Harigai M et al. 2025). All diese Faktoren beeinflussen den Krankheitsverlauf und die Behandlungsstrategien und erfordern eine sorgfältige Abwägung hinsichtlich Polypharmazie und veränderter Arzneimittelmetabolismus (Zimba O et al. 2025).

Glukokortikoide: Niedrig dosiertes Prednisolon wird häufig initial eingesetzt, sollte jedoch aufgrund der erhöhten Risiken für Osteoporose, Diabetes, Infektionen und Muskelabbau möglichst früh reduziert werden.

Konventionelle DMARDs ( mit modernen DMARD-Strategien ist heute auch bei älteren Patienten häufig eine Remission oder zumindest eine niedrige Krankheitsaktivität erreichbar).

Biologische DMARDs werden bei LORA seltener eingesetzt als bei YORA (Young onset rheumatoid arthritis), da Patienten mit LORA möglicherweise einem höheren Risiko für schwere Infektionen ausgesetzt sind. Darüber hinaus besteht bei Patienten mit LORA im Vergleich zu Patienten mit YORA ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fragilitätsfrakturen und Malignome; zudem weisen sie eine höhere Prävalenz von Merkmalen geriatrischer Syndrome auf.

Verlauf/Prognose

Die Prognose hängt wesentlich von einer frühen Diagnosestellung und raschen Einleitung einer krankheitsmodifizierenden Therapie ab.

Verlauf: Unbehandelt führt LORA zu:

  • progressiver Gelenkzerstörung
  • Funktionsverlust
  • Frailty (Gebrechlichkeit, geriatrischer Score) 
  • Immobilität
  • erhöhter Mortalität

Hinweis(e)

LORA weist erhebliche klinische Überschneidungen mit dem RS3PE-Syndrom auf. Beide Erkrankungen beginnen typischerweise im höheren Lebensalter und präsentieren sich häufig mit einem akuten Erkrankungsbeginn, ausgeprägter Synovitis sowie erhöhten Entzündungsparametern. Im Gegensatz zum RS3PE sind bei der LORA jedoch persistierende Synovitiden und im Verlauf erosive Gelenkveränderungen häufiger. Zudem ist das charakteristische eindrückbare Hand- oder Fußödem (Pitting-Ödem) beim RS3PE ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

Literatur

  1. Borges T et al. (2023) RS3PE syndrome: Autoinflammatory features of a rare disorder. Mod Rheumatol 33:640-646.
  2. Chen G et al. (2025) Letter to the editor: social determinants of health in managing late-onset rheumatoid arthritis. Rheumatol Int 45(8):180.
  3. Cook EA et al. (2025) Elderly Patients With Inflammatory Polyarthritis: The Importance of Including Remitting Seronegative Symmetrical Synovitis With Pitting Edema (RS3PE) in the Differential Diagnosis. Cureus 17:e81296.
  4. Deal CL et al. (1990) he clinical features of elderly-onset rheumatoid arthritis. Rheum Dis Clin North Am 16:535–548.
  5. Harigai M et al. (2025) Management of Late-Onset Rheumatoid Arthritis with Treat-to-Target Strategy. Drugs Aging 42(5):413-433.
  6. Lehoczki A et al. (2026) Geroscience insights into difficult-to-treat rheumatoid arthritis: the role of unhealthy aging, comorbidity, and therapeutic complexity. Geroscience 48 :2153-2177
  7. Peng Z et al. (2025) Late Onset Rheumatoid Arthritis. Aging Dis. doi: 10.14336/AD.2025.0898.
  8. Zimba O et al. (2025) Late-onset rheumatoid arthritis: clinical features, diagnostic challenges, and treatment approaches. Rheumatol Int 45:152.

Zuletzt aktualisiert am: 02.07.2026