Polypodium vulgare
Synonym(e)
Definition
Der Gewöhnliche Tüpfelfarn, Polypodium vulgare, kurz Tüpfelfarn oder auch Engelsüß und Steinfarn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Tüpfelfarne (Polypodium) innerhalb der Familie der Tüpfelfarngewächse (Polypodiaceae) (s.a.Polypodium leucotomos).
Der Gewöhnliche Tüpfelfarn ist eine wintergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 35 Zentimetern. Durch oberirdische oder flache Rhizome bildet er häufig dichte Bestände. Sein Rhizom ist dicht mit braunen, bei einer Länge von 3,5 bis 4 Millimetern lanzettlichen oder borstenförmigen Spreuschuppen besetzt. Die ganzjährig grün bleibenden Blattwedel sind in Stiel sowie Spreite gegliedert und bis zu 60 Zentimeter lang. Der stroh-gelbe oder grünliche Blattstiel ist meist kürzer als die Spreite.Die Blattspreite ist im Umriss linealisch bis linealisch-lanzettlich, zweizeilig wechselständig gefiedert und ganzrandig. Zur Sporenreife von Juli bis Oktober sind an den Unterseiten der ledrigen, zumeist dunkelgrünen Blätter die namensgebenden, kreisrunden „tüpfelartigen“ Sori besonders auffällig.
Das kriechende Rhizom ist dicht mit trockenen Spreuschuppen besetzt, die als Licht- und Wärmeschutz, sowie der kapillaren Wasserleitung dienen.
Vorkommen
Der Gewöhnliche Tüpfelfarn ist im Großteil Europas heimisch. In Europa kommt er in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Belarus. Zudem ist der Farn in Nordafrika, in Südafrika, auf den Kerguelen, im westlichen Asien, in Kasachstan, Kirgisistan, in Xinjiang, in Korea und im fernöstlichen Russland heimisch. Auf Neuseelands Nord- und Südinsel ist die Art ein Neophyt.
Anwendungsgebiet/Verwendung
Ganz allgemein sind Farne sehr reich an Flavonoiden, Polyphenolen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Carotinoiden, Terpenoiden und Steroiden. Die meisten dieser Verbindungen sind bemerkenswerte Radikalfänger, die für die herausragende antioxidative Kapazität der Farn-Extrakte verantwortlich sind. Die Extrakte essbarer Farnarten entfalten antioxidative, entzündungshemmende und damit verbundene biologische Wirkungen, was mit ihrer traditionellen medizinischen Verwendung bei der Behandlung von Wunden, Verbrennungen, Erkältungen, Husten, Hauterkrankungen und Darmerkrankungen im Einklang steht.
Ferner wurde der Gewöhnliche Tüpfelfarn in der Volksmedizin gegen Gicht und Leberkrankheiten verwendet.Ein enthaltener Bitterstoff ist für Darmwürmer giftig. Die antike Medizin bezeichnete den bei Kopfschmerzen als Einreibung mit Meerzwiebelessig verwendeten Tüpfelfarn auch als Radiolum und Felicina. Ein gebräuchlicher lateinischer Name war neben polypodium auch polipodium. Die mittelalterliche Medizin verwendete diesen „Steinfarn“ auch zur Auflösung der Harnsteine bei Urolithiasis.
Hinweis: Studien zum Nachweis pharmakologischer Wirkungen sind jedoch rar und erfordern eine chemisch-biologische Standardisierung.
Neuerdings werden Extrakte des Tüpfelfarns auch zum internen Lichtschutz eingesetzt. Der Erfolg dieser Anwendungen bleibt abzuwarten. Diesbezügliche wissenschaftliche Untersuchungen beziehen sich meist auf Polypodium leucotomos (González S et al. 2007).
Literatur
- Dvorakova M et al. (2024) The traditional utilization, biological activity and chemical composition of edible fern species. J Ethnopharmacol 324:117818.
- González S et al. (2007) Polypodium leucotomos extract: a nutraceutical with photoprotective effects? Photochemistry and Photobiology Sciences. 6 :81–85.
- Middelkamp-Hup MA et al. (2004) Oral Polypodium leucotomos extract decreases ultraviolet-induced damage of human skin. Journal of the American Academy of Dermatology 51:910–918.
- Prado G et al. (2018) Clinical Efficacy and Safety of Oral Polypodium leucotomos Extract for Photoprotection: A Systematic Review. SKIN – The Journal of Cutaneous Medicine 2(:483–492.