Gingivitis, akute, nekrotisierende, ulzeröseK05.1

Autoren:Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles, Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

Alle Autoren dieses Artikels

Zuletzt aktualisiert am: 31.01.2023

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Synonym(e)

Acute necrotizing ulcerative gingivitis; Akute nekrotisierende Gingivitis; Akute, nekrotisierende, ulzeröse Gingivitis; ANUG; Gingivitis, akute, nekrotisierende, ulzeröse; Nekrotisierende ulzeröse Gingivitis

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Definition

Multifaktorielle, akute, ulzeröse Entzündung der Gingiva (s.a. Gingivitis), die gehäuft bei dauerhaft oder nur passager immunsupprimierten Patienten auftritt (z.B. bei HIV-Infektion oder nach anderen viralen Erkrankungen).

Ätiopathogenese

Vielfältige Ursachen sind beschrieben. Als ein wesentlicher ätiologischer Faktor ist mangelnde Hygiene anzunehmen. Charakteristisch für die Erkrankung ist auch der Nachweis fusiformer Bakterien und Spirochäten. Das Auftreten kann auch mit einer HIV-Infektion kombiniert sein.

Klinisches Bild

Diffuse Rötung und Schwellung des Zahnfleisches mit geschwürigem Zerfall. Foetor ex ore. Fakultativ weißgraue Beläge. Hohe Schmerzempfindlichkeit; Brennen. Starke Allgemeinsymptome wie Schwächegefühl und Fieber.

Differentialdiagnose

Ulzeröse Stomatitiden anderer Genese; Arzneimittelreaktion, unerwünschte.

Therapie allgemein

Weiche Zahnbürste und vorsichtige Säuberung. Ggf. nur Spülungen des Zahnfleisches. Brei- und Flüssigkost. Nach Abklingen der Symptomatik zahnärztliche Kontrolle und Behandlung sowie konsequente Hygiene des Mundes: 2mal/Tag Zähneputzen mit interdentaler Zahnbürste und richtiger Zahnputztechnik, Zahncreme mit Aminfluorid/Zinnfluorid oder Sanguinariaextrakt, Anwendung von Zahnseide zur mechanischen interdentalen Säuberung, gelegentliches Kauen eines Xylitol-Kaugummis.

Externe Therapie

Vorsichtige Säuberung der Mundschleimhaut mit antiseptischen und antiphlogistischen Lösungen (s.u. Stomatologika) wie 0,1-0,2% Chlorhexidin-Gurgellösung (z.B. Chlorhexidindigluconat, R045 ) oder Ratanhia-Myrrhe-Adstringens, Polyvidon-Jod (z.B. Betaisodona Mund-Antiseptikum) oder 5% Dexpanthenol-Lösung (Bepanthen, R066 ).

Interne Therapie

  • Frühzeitig interne Behandlung mit Metronidazol (z.B. Clont oder Flagyl) 3mal/Tag 400 mg über 3-7 Tage oder Amoxicillin (z.B. Amoxicillin-Heyl) 3-4mal 750 mg/Tag. Alternativ: Amoxicillin/Clavulansäure 3mal/Tag 1000 mg p.o. In schweren Fällen Cefotaxim 2mal/Tag 1-2 g i.v. (max. 3mal/Tag 2 g bzw. 4mal/Tag 3 g).
  • Ggf. Analgetika wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron Supp.). Erwachsene 2-3mal/Tag 1000 mg.

Verlauf/Prognose

Nach Abklingen der allg. und lokalen Symptome Elimination der Reizursachen, da ansonsten Übergang in Gingivitis chronica bzw. Gingivostomatitis chronica.

Naturheilkunde

Spülungen mit Kamillen- (z.B. Kamillosan, Kamillan Supra), Salbei- (z.B. Salus Salbei-Trp., Salvysat), Myrrheextrakt (Inspirol-P-forte) oder anderen pflanzlichen Extrakten (z.B. Gingivitol). Bewährt hat sich auch Gewürznelke nativ (im Mund zerbeißen) oder das Nelkenöl selbst.

Literatur

  1. Coogan MM, Greenspan J, Challacombe SJ (2005) Oral lesions in infection with human immunodeficiency virus. Bull World Health Organ 83: 700-706
  2. Sucker C, Djawari J (1999) Recurrent episodes of ulcerative gingivostomatitis associated with cyclic neutropenia. Hautarzt 50: 503-506

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 31.01.2023