Pegloticase ist ein Arzneistoff zum Abbau von Harnsäure. Das Enzym ist mit mPEG (Monomethoxypolyethylenglykol) konjugiert und wird mit biotechnologischen Methoden aus gentechnisch veränderter Escherichia coli gewonnen. Es ist in Deutschland jedoch nicht im regulären Handel erhältlich, da der Hersteller die EU-Zulassung im Jahr 2016 zurückgezogen hat. In den USA und anderen Ländern ist das Medikament für schwere Gichtfälle verfügbar.
Pegloticase
Definition
Pharmakodynamik (Wirkung)
Die Pegloticase fördert enzymatisch den Abbau von Harnsäure zum wasserlöslichen Metaboliten Allantoin, das über die Niere ausgeschieden wird. Das Enzym Uricase wird im menschlichen Körper nicht gebildet, weil das entsprechende Gen nicht funktionell ist (George RL Jr et al. 2012). Unter der Therapie halten fast alle regulär behandelten Patienten den Zielwert für die Serumharnsäure (<6mg/dl) über die gesamte Behandlungsdauer ein. Nach einem Jahr der Therapie berichtete die große Mehrheit, in den letzten drei Monaten anfallsfrei geblieben zu sein. Auch Schmerzen und Krankheitsaktivität nahmen spürbar ab. Die Rückbildung von Tophi erfolgt langsamer, zeigte aber ebenfalls einen klaren positiven Verlauf. Bei mehr als der Hälfte der Patienten mit tophöser Gicht hatte sich nach einem Jahr mindestens ein Knoten zurückgebildet.
Indikation
Pegloticase ist zur Behandlung von schwer einschränkender chronischer Gicht mit Bildung von Tophi bei erwachsenen Patienten bestimmt, die auch erosive Gelenkveränderungen aufweisen können und die auf eine Behandlung mit der medizinisch angemessenen Höchstdosis von Xanthinoxidase-Inhibitoren zur Normalisierung des Serum-Harnsäurespiegels nicht angesprochen haben oder bei denen diese Arzneimittel kontraindiziert sind. In einzelnen Studien wurde bei therapieresistenter Gicht Pegloticase in Kombinaiton mit Methotrexat erfolgreich eingesetzt (Albert J et al. 2024).
Dosierung und Art der Anwendung
Die Behandlung soll von einem Arzt mit Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von schwerer therapieresistenter chronischer Gicht eingeleitet und überwacht werden. Während der Infusion und für mindestens 2 Stunden nach Infusionsende muss der Patient genau überwacht werden. Es muss sichergestellt sein, dass Geräte für eine Wiederbelebung zur Verfügung stehen. Es wurden auch Überempfindlichkeitsreaktionen vom verzögerten Typ berichtet.
Dosierung: Die empfohlene Dosis beträgt 8 mg Pegloticase, verabreicht als intravenöse Infusion alle 2 Wochen. Zur Minimierung des Risikos von infusionsbedingten Reaktionen sollten die Patienten vor der Infusion medikamentös vorbehandelt werden, beispielsweise mit einem Antihistaminikum am Arzneimittel nicht länger zugelassen 2 Vorabend und erneut ca. 30 Minuten vor der Infusion sowie mit Paracetamol und einem Kortikosteroid unmittelbar vor jeder Infusion. Der Serum-Harnsäurespiegel muss vor jeder Infusion kontrolliert werden. Pegloticase (KRYSTEXXA) darf nicht verabreicht werden, wenn zwei aufeinanderfolgende Messungen Werte über 6 mg/dl ergeben. Vor Behandlungsbeginn und insbesondere vor der Kontrolle der Harnsäurespiegel im Serum sollen die Patienten ihre oralen Urat-senkenden Arzneimittel absetzen und während der Anwendung von Pegloticase sollte keine Behandlung mit oralen Urat-senkenden Arzneimitteln eingeleitet werden. Die optimale Behandlungsdauer ist nicht bekannt.
Die Behandlungsdauer sollte sich nach der Aufrechterhaltung des Ansprechens (Harnsäureserumspiegel < 6 mg/dl) und nach dem klinischen Bild richten. Patienten mit Niereninsuffizienz Angesichts der ähnlichen Wirksamkeits- und Sicherheitsprofile von Pegloticase bei Patienten mit einer Creatinin-Clearance unter und über 50 ml/min ist für Patienten mit Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung erforderlich. Ältere Patienten Für Patienten im Alter von 65 Jahren oder älter ist keine Dosisanpassung notwendig.
Unerwünschte Wirkungen
Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Übelkeit, Hautreaktionen, ein akuter Gichtanfall und infusionsbedingte Reaktionen.
Kontraindikation
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Glucose-6-Phosphate-Dehydrogenase(G6PD)-Mangel und andere zelluläre Stoffwechselstörungen, die Hämolyse und Methämoglobinämie verursachen können. Alle Patienten mit erhöhtem Risiko für G6PD-Mangel (z. B. Patienten afrikanischer Abstammung oder aus dem Mittelmeerraum) sind vor Beginn der Behandlung mit Pegloticase auf G6PD-Mangel zu untersuchen (Adashek ML et al. 2018).
Präparate
Krystexxa
Hinweis(e)
Kinder und Jugendliche: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Pegloticase (KRYSTEXXA) bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Literatur
- Adashek ML et al. (2018) Pegloticase Induced Hemolytic Anemia in a Patient With G6PD Deficiency. J Hematol 7:83-85.
- Albert J et al. (2024) Intensive urate-lowering with pegloticase plus methotrexate co-therapy in uncontrolled gout patients with and without chronic kidney disease: A retrospective case series. Medicine (Baltimore) 103:e37424.
- Botson JK et al. (2022) Improved joint and patient-reported health assessments with pegloticase plus methotrexate co-therapy in patients with uncontrolled gout: 12-month exploratory outcomes of the MIRROR open-label trial. Arthritis Res Ther 24:281.
- Dean L et al. (2020) egloticase Therapy and G6PD Genotype. 2020 Oct 1. In: Pratt VM, Scott SA, Pirmohamed M, Esquivel B, Kattman BL, Malheiro AJ, editors. Medical Genetics Summaries [Internet]. Bethesda (MD): National Center for Biotechnology Information (US); 2012–. PMID: 33001605.
- George RL Jr et al. (2012) Pegloticase for treating refractory chronic gout. Drugs Today (Barc) 48:441-449.
- Schlesinger N et al. (2020) Pegloticase treatment of chronic refractory gout: Update on efficacy and safety. Semin Arthritis Rheum 50: 31-38.