Linksversorgungstyp
Synonym(e)
Definition
Der koronare Versorgungstyp ist nicht einheitlich definiert. Es finden sich in der Literatur zwei unterschiedliche Definitionen (da beide gebräuchlich sind, werden hier beide Definitionen dargestellt):
- Definition 1: Hierbei erfolgt die Einteilung nach koronarographischen Gesichtspunkten. Diese entspricht auch den Vorschlägen Schlesingers. Man bezeichnet den am häufigsten vorkommenden Versorgungstyp als „normalen / ausgeglichenen Versorgungstyp“ (Kaltenbach 1980)
- Definition 2: Die zweite Definition besagt, dass der Versorgungstyp durch das dominante Koronargefäß bestimmt wird. Dieses ist definiert als das Gefäß, welches über den Ramus interventricularis posterior (RIVP) folgende kardiale Anteile versorgt:
- die inferioren Anteile des Septums
- die diaphragmale Wand des linken Ventrikels (Stierle 2017)
Beim Linksversorgungstyp liegt die hämodynamische Dominanz bei der linken Koronararterie. Sie versorgt mit arteriellem Blut die gesamte Hinterwand des linken Ventrikels und das komplette Septum interventrikulare (Pschyrembel 2026).
Einteilung
Man unterscheidet drei Versorgungstypen:
1. ausgeglichener / balancierter oder auch normaler Versorgungstyp
2. Linksversorgungstyp
3. Rechtsversorgungstyp (Herold 2025)
Allgemeine Information
Anatomie:
Die linke Koronararterie entspringt aus der Aorta im linken Sinus coronarius und teilt sich dann nach ca. 1 - 4 cm in den Ramus interventricularis anterior (RIVA) und den Ramus circumflexus (CX) auf (Klinge 2015).
Beim Linksversorgungstyp ist der proximale Ramus circumflexus kaliberstark ausgebildet (Stierle 2014). Die Versorgung des gesamten linken Ventrikels und des posterioren Septums (Stierle 2014) erfolgt über den LCA. Der Ramus circumflexus gibt den Ramus interventricularis posterior ab (Roskamm 1984). Die rechte Koronararterie hingegen ist nur schwach ausgebildet. Sie erreicht die Crux cordis nicht und nimmt an der Versorgung des linken Ventrikels nicht teil. Sie versorgt lediglich den rechten Vorhof und den rechten Ventrikel (Lapp 2014).
Vorkommen
Die Angaben zur Häufigkeit der einzelnen Versorgungstypen differieren wegen der unterschiedlichen Definitionen stark (Kaltenbach 1980). Der Linksversorgungstyp kommt vor:
- Definition I: bei ca. 10 % bis 20 %
- Definition II: bei ca. 12 % (Stierle 2017)
Komplikation(en)
Eine angeborene Aortenklappenstenose tritt gehäuft beim Linksversorgungstyp auf (Kaltenbach 2000).
Literatur
- Alkadhi H et al. (2009) Praxisbuch Herz- CT: Grundlagen, Durchführung, Befundung. Springer Verlag 31 - 42
- Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 238
- Kaltenbach M et al. (1980) Vom Belastungs- EKG zur Koronarangiographie. Springer Verlag 169 - 171
- Kaltenbach M (2000). Kardiologie kompakt. Springer Verlag Berlin / Heidelberg 121
- Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education
- Klinge R (2015) Das Elektrokardiogramm: Leitfaden für Ausbildung und Praxis. Georg Thime Verlag Stuttgart 27 - 29
- Lapp H et al. (2014) Das Herzkatheterbuch: Diagnostische und interventionelle Kathetertechniken. Thieme Verlag 75 – 77
- Pschyrembel online (2026) Linksversorgungstyp. https://www.pschyrembel.de/Linksversorgungstyp/B0AE1
- Roskamm H et al. (1984) Handbuch der Inneren Medizin: Koronarerkrankungen Springer Verlag 515 – 519
- Stierle U et al. (2014) Klinikleitfaden Kardiologie. Elsevier Urban und Fischer 93 -96