Lebertransplantation

Autor: Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 26.08.2026

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Synonym(e)

Ersatz einer geschädigten Leber durch eine Spenderleber; Leberverpflanzung

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Erstbeschreiber/Historie

In den 1960er Jahren wurde von Thomas Starzl an der Universität Colorado und Roy Calne in Cambridge die Technik der Lebertransplantation entwickelt (Kasper 2015). 1963 führte Starzl die erste erfolgreiche Lebertransplantation an einem Kind durch. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten waren die Ergebnisse jedoch nur mäßig (Rodeck 2008).

Erst nach Einführung des Cyclosporin A und der Konsensus-Konferenz zur Lebertransplantation im Jahre 1983 gelang der Aufstieg der Lebertransplantation zum Routineverfahren (Krukemeyer 2006).

Definition

Unter einer Lebertransplantation versteht man die Verpflanzung der Leber eines Spenders in einen Empfänger (Antwerpes 2025).

Einteilung

Man differenziert bei der Lebertransplantation zwischen:

  • Verstorbenen-Organspende:

Hierbei wird die gesamte Leber eines Spenders mit dissoziiertem Hirntod transplantiert oder durch Organsplitting (SLTX) können 2 verschiedene Empfänger bedacht werden (Herold 2025).

  • Lebend-Organspende:

Eine Leberteilspende findet überwiegend durch Eltern statt, die ihrem Kind einen Teil ihrer Leber spenden (Herold 2025).

Zur Beurteilung der Transplantationsdringlichkeit dient u. a. der MELD-Score.

 

  • MELD Score:
    • Gesamt- Bilirubin in mg / dl
    • INR
    • Serumkreatinin in mg / dl
    • Eventuell auch noch Serumnatrium in mmol / l 

Der MELD-Score errechnet sich aus den o. g. Parametern mit Hilfe der Formel: MELD-Score=

10×0957×lnKreatinin+0378×lnBilirubin+112×lnINR+0643

Die errechneten Werte liegen zwischen 6 bis maximal 40. Je höher der Wert ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten 3 Monate zu versterben, bei einem Wert von 40 liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit ohne Transplantation bei annähernd 0 % (Kunz 2025).

Allgemeine Information

  • Vorstellung im Leberzentrum:Die Vorstellung in einem Lebertransplantationszentrum sollte spätestens dann erfolgen, wenn:
    • der MELD-Score ≥ 15 ist (Näheres s. „Einteilung)
    • unabhängig vom MELD-Score Komplikationen einer Zirrhose auftreten (Leitlinie Berg 2023)

 

  • Listung:

Eine Listung sollte spätestens erfolgen, wenn:

  • die Lebenserwartung auf unter 2 Jahre abfällt
  • Leberversagen ist absehbar oder bereits eingetreten mit therapierefraktärem Ascites, Hypalbuminämie < 30 g/l, hepatischer Enzephalopathie und einer Hyperbilirubinämie > 180 µmol/l (Krukemeyer 2006)
  • Patienten mit einem akuten Leberversagen Grad 1 und 2 sollten für eine Lebertransplantation gelistet werden, sofern keine Kontraindikation besteht (Leitlinie Berg 2023)

 

  • Indikationen:

Die Indikation für eine Lebertransplantation ist eine terminale Lebersinsuffizienz unter Berücksichtigung der Transplantationsgesetze (Herold 2025).

Dabei stellen folgende Kriterien mit besonderer Relevanz eine Rolle:

  • Transplantationsmotivation
  • aktuelle und frühere Adhärenz hinsichtlich Inanspruchnahme medizinischer Behandlung, Medikamenteneinnahme usw.
  • Substanzgebrauch inkl. Suchtanamnese und etwaiger Suchtbehandlungen
  • aktuelle und frühere psychische Erkrankungen
  • aktuelle und frühere Suizidalität bzw. Suizidversuche
  • Kognitiver Status inkl. Einwilligungsfähigkeit (Leitlinie Berg 2023)

 

  • Kontraindikationen:

Kontraindikationen für eine Lebertransplantation sind lebenslimitierende Erkrankungen, bei denen ein langfristiges Überleben oder eine verbesserte Lebensqualität durch die Transplantation nicht erreicht werden kann (Leitlinie Berg 2023) wie z. B.:

  • psychische Erkrankungen wie z. B. Alkoholabusus, i. v. Drogenabusus,
  • fortgeschrittene hepatische Enzephalopathie
  • Pfortaderthrombose
  • schwerwiegende kardiale oder pulmonale Erkrankungen
  • nicht-kurativ behandelte extrahepatische Malignome
  • unkontrollierte bzw. durch eine Immunsuppression schwer verlaufende extrahepatische Infektion (Antwerpes 2025)
  • das chronologische Alter hingegen soll keine absolute Kontraindikation bei einer Lebertransplantation darstellen (Leitlinie Berg 2023)

 

  • Wartezeit:

Die Wartezeit für eine Lebertransplantation hängt vom MELD-Score (model of end-stage liver disease) ab, der die 3-Monats-Mortalität abschätzt. Er basiert auf S-Bilirubin, S-Kreatinin und INR-Wert (Herold 2025).

  • Dringlichkeitsstufe T 1: 0 – 7 Tage
  • Dringlichkeitsstufe T 2: 14 – 150 Tage
  • Dringlichkeitsstufe T 3: 350 – 650 Tage
  • Dringlichkeitsstufe T 4: > 550 Tage (Krukemeyer 2006)

Vorkommen

In Deutschland finden derzeit ca. 800 Lebertransplantationen pro Jahr statt, ca. 10 % davon sind Lebendspenden (Herold 2025).

Komplikation(en)

Die Komplikationen nach einer Lebertransplantation können sein:

  • Transplantatabstoßungsreaktionen:
    • Akute Abstoßung: Hierzu zählen z. B. periportale Hepatitis, venöse Endotheliitis, nichteitrige Cholangitis. Diese sind i. d. R. gut therapierbar (Herold 2025).
    • Chronische Abstoßung: Hierbei findet sich eine nicht progressive Destruktion der kleinen Gallengänge. Diese tritt in ca. 10 % auf und ist nur schwer therapierbar. Sie kann letztlich zum Verlust des Transplantates führen (Herold 2025).
  • Primäres Transplantatversagen: Dies macht eine Re-Transplantation erforderlich (Herold 2025).
  • Gallengangs- oder Gefäßkomplikationen: Hierbei kann es zum Verschluss der Transplantatgefäße kommen, zu Nachblutungen und zur Leckage bzw. Obstruktion des Gallengangs (Herold 2025).
  • Rezidiv der Grunderkrankung: Bei den Virushepatitiden B, C und D besteht die Gefahr eines Rezidivs. Von daher sollten Hepatitis B- und C- Patienten unbedingt vor der Transplantation therapiert werden. Beim M. Wilson hingegen wird der genetische Defekt durch eine Transplantation geheilt (Herold 2025).
  • Nebenwirkungen der immunsuppressiven Therapie:
    • Nebenwirkungen der Medikamente wie z.B. Osteoporose, Infektneigung, Nephrotoxizität, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus
    • Gehäuftes Austreten insbesondere viraler Infektionen
    • Auftreten von Malignomen wie z. B. Basalzellkarzinome der Haut (fast 40 %), B-Zell-Lymphome (Herold 2025).

Interne Therapie

Nach Erhalt des Transplantates sollte der Empfänger lebenslang Immunsuppressiva wie z. B. Ciclosporin oder Tacrolimus erhalten und für 3 Monate Prednisolon (Herold 2025).

Operative Therapie

  • Postmortale Spende:

Hierbei wird die Leber eines Verstorbenen einem Empfänger transplantiert, entweder als gesamtes Organ oder als Split-Transplantation, d. h. Aufteilung der Leber auf 2 Organempfänger (Antwerpes 2025).

  • Lebendspende:

Diese wird insbesondere bei Kindern durchgeführt (Antwerpes 2025). Bei der Leberteil-Lebendspende erfolgt eine orthotope Transplantation nach Hepatektomie entweder klassisch mit supra-und infrahepatischer Anastomisierung der V. cava oder in Piggy Back-Technik, bei der nur eine V. cava-Anastomose unter Erhalt der V. cava des Empfängers erfolgt (Herold 2025).

  • Auxiliäre partielle orthotope Lebertransplantation (APOLT):

Hierbei wird lediglich ein Teil der Spenderleber transplantiert und ein Teil der erkrankten Leber verbleibt beim Empfänger (Antwerpes 2025).

Prognose

Die Ein-Jahresüberlebensrate von ehemals ca. 30 % in den 1970er Jahren hat sich inzwischen auf über 90 % verbessert (Kasper 2015).

Heute liegt die Hospitalletalität zwischen 5 – 10 %, bei linkslateraler Spende bei ca. 0,1 % und bei rechtslateraler Spende bei 0,5 % (Herold 2025).

Die Ein-Jahresüberlebensrate beträgt > 90 % und die 10-Jahresüberlebensrate > 70 % (Herold 2025).

Hinweis(e)

Nach einer Lebertransplantation ist eine lebenslange Nachsorge erforderlich. Sie umfasst:

  • Überwachung der Funktion des Transplantates
  • Lebenslange Immunsuppression
  • Screening extrahepatischer Kontrollen (Antwerpes 2025).

Der Patient sollte außerdem jährliche Influenzaimpfungen erhalten und keine Lebendimpfungen mehr bekommen (Antwerpes 2025).

Literatur

  1. Antwerpes F et al. (2025) Lebertransplantation. Doc Check Flexikon https://flexikon.doccheck.com/de/Lebertransplantation
  2. Berg T, Aehling N F, Bruns T, Welker M W, Weismüller T, Trebicka J, Tacke F, Strnad P, Sterneck M, Settmacher U, Seehofer D, Schott E, Schnitzbauer A A, Schmidt H H, Schlitt H J, Pratschke J Pascher A, Neumann U, Manekeller S, Lammert F, Klein I, Kirchner G, Guba M, Glanemann M, Engelmann C, Canbay A E, Braun F, Berg C P, Bechstein W O, Becker T, Trautwein C (2023) S2k-Leitlinie Lebertransplantation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) Version 1.0 – Dezember 2023 – AWMF-Registernummer: 021 – 029
  3. Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 554 -555
  4. Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education 2067 – 2074
  5. Krukemeyer M G, Lison A E (2006) Transplantationsmedizin. Walter de Gruyter Verlag 183 – 185
  6. Kunz S et al. (2025) MELD-Score. Doc Check Flexikon https://flexikon.doccheck.com/de/MELD-Score
  7. Rodeck B, Zimmer K P (2008)  Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung. Springer Medizin Verlag Heidelberg 419 – 422

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