Leberhämatom, traumatischS36.11
Synonym(e)
Definition
Unter einem traumatischen Leberhämatom versteht man ein durch stumpfe oder penetrierende Verletzungen hervorgerufenes Hämatom der Leber.
Einteilung
Hämatome der Leber werden nach AAST (American Association of the surgery of a trauma) in 3 Grade eingeteilt (Grad IV und V beziehen sich auch penetrierende Verletzungen der Leber):
- Grad I:
subkapsuläres Hämatom, das < 10 % der Oberfläche betrifft
- Grad II:
subkapsuläres Hämatom, das 10 – 50 % % der Oberfläche betrifft
Intrahepatisches Hämatom< 10 cm
- Grad III:
expandierendes Hämatom
subkapsuläres Hämatom > 50 %
rupturiertes subkapsuläres Hämatom
intrahepatisches Hämatom> 10 cm oder expandierend (Lehmann 2022)
Vorkommen/Epidemiologie
Der überwiegende Teil der Leberhämatome entsteht durch vorausgegangene Traumata (Antwerpes 2019).
Die Leber selbst zählt zu den am häufigsten betroffenen Organen bei stumpfen und auch penetrierenden Verletzungen (Roberts 2021).
Ätiopathogenese
Die Ursache sind i. d. R. stumpfe Bauchtraumata. Unter Gabe von Antikoagulantien kann es sich dabei auch um Bagatelltraumata handeln (Antwerpes 2019).
Pathophysiologie
Durch ein stumpfes Trauma im Abdominalbereich kommt es durch die Krafteinwirkung zum Zerreißen der Lebergefäße und damit zum Austritt von Blut in das Leberparenchym (Antwerpes 2019).
Manifestation
Hämatome der Leber können subkapsulär oder intraparenchymatös auftreten (Antwerpes 2019).
Klinik
- ggf. Prellmarke im Bereich des oberen Abdomens rechts
- Schmerzen im rechten Oberbauch, bisweilen ausstrahlend in die rechte Schulter (Antwerpes 2019)
Diagnostik
Die Diagnose wird i. d. R. durch eine Oberbauchsonographie bzw. eine CT gestellt (Antwerpes 2019).
Bildgebung
- Abdomensonographie:
Hämatome erscheinen in der Sonographie zu Beginn echoarm, im weiteren Verlauf findet sich eine zunehmende Echogenität (Herold 2025).
- Computertomographie
Bei großen Leberhämatomen ist die CT unverzichtbar. Diese sollte mit Kontrastmittelgabe erfolgen, da sich dann das Gefäßsystem besser beurteilen lässt (Weill 2013).
Komplikation(en)/Assoziierte Erkrankungen
Leberriss mit Ausbildung eines akuten Abdomens und Schocksymptomatik (Antwerpes 2019).
Therapie allgemein
Die Behandlung von Lebertraumata hat sich seit den 1990er Jahren erheblich verändert. Die konservative Behandlung gilt heutzutage als die Standardtherapie bei hämodynamisch stabilen Patienten, selbst bei schweren Verletzungen der Venen (Roberts 2021).
Die transarterielle Embolisation (TAE) wird bei entsprechender Indikation mit einer Erfolgsrate von 93 % ergänzend zur konservativen Therapie erfolgreich eingesetzt (Roberts 2021).
Interne Therapie
Bei kleineren Hämatomen erfolgt die Therapie konservativ unter regelmäßigen sonographischen Kontrollen (Antwerpes 2019).
Heutzutage können ca. 90 % aller stumpfen Lebertraumata konservativ behandelt werden (Lehmann 2022).
Operative Therapie
Größere Hämatome oder ein Kapselriss erfordern eine sofortige chirurgische Intervention (Antwerpes 2019).
Literatur
- Antwerpes F (2019) Leberhämatom. DocCheck Flexikon https://flexikon.doccheck.com/de/Leberh%C3%A4matom
- Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 561
- Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education
- Lehmann (2022) Facharztprüfung Allgemein- und Viszeralchirurgie in Fällen, Fragen und Antworten. Elsevier Urban und Fischer GmbH 172
- Roberts R, Sheth R A (2021) Hepatic trauma. Ann Transl Med. 9 (14) 1195 doi: 10.21037/atm-20-4580
- Weill F S, Coche G, Costaz R, Didier D, Le Mouel A, Rohmer P (2013) CT-Fibel: Thorax und Abdomen. Springer Verlag Berlin / Heidelberg / New York / London / Paris / Tokyo / Hong Kong 62 -63