Die durchschnittliche Lebenserwartung wird in der wissenschaftlichen Diskussion als bedeutsamer Faktor für den Gesundheitszustand der Bevölkerung gesehen (Unger 2002). Ihre Trends beeinflussen die Gesundheitspolitik. Dabei wird aber oft übersehen, die durchschnittliche Lebenserwartung von mindestens drei Effekten beeinflusst werden kann:
- Kohorteneffekte
- Tempoeffekten
- Heterogenitätsinfekte (Luy 2020).
In Deutschland ist die Lebenserwartung seit Ende des Zweiten Weltkrieges kontinuierlich gestiegen (Haan 2021). So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung derzeit bei Männern bei 78,6 Jahren und die der Frauen bei 83,4 Jahren. Sie wird in der EU bis zum Jahre 2050 voraussichtlich um 6 Jahre für Männer und um 5 Jahre für Frauen steigen (Herold 2025).
Die Lebenserwartung in weniger entwickelten Ländern liegt deutlich darunter, was durch die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit beeinflusst wird. Im höheren Lebensalter verringert sich der Abstand zwischen reichen und armen Ländern (Kasper 2015).
In den USA stagniert seit 2010 der Anstieg der Lebenserwartung. Bislang wurde das durch die Opioid-Krise erklärt. In einer Studie hat sich jedoch gezeigt, dass die Stagnation in erster Linie mit einer höheren Sterblichkeit von Herz- Kreislauerkrankungen zusammenhängt (Mikko 2020).
Die Frau mit der längsten dokumentierten Lebenszeit von 122 Jahren lebte in Arles (Herold 2ß25).