Kryptogene Hepatitis

Autor:Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 17.01.2026

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Synonym(e)

Hepatitis unklarer Ursache; Kryptogene Autoimmunhepatitis; unklare Hepatitis

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Keywords

Kryptogene Autoimmunhepatitis; unklare Hepatitis; Hepatitis unklarer Ursache;

Definition

Unter einer kryptogenen Hepatitis versteht man eine Form der Leberentzündung unbekannter Genese (Herold 2025), die sich durch konventionelle klinische, histologische und laborchemische Untersuchungen nicht erklären lässt (Czaja 2011).

Einteilung

Die chronische Hepatitis wird nach dem Score von Desmet eingeteilt in:

  • Grad 1 sog. minimale Hepatitis:
    • geringe portale Entzündungsinfiltrationen
    • keine Grenzzonenhepatitis
    • keine oder allenfalls minimale azinäre Untergänge der Parenchymzellen
  • Grad 2 sog. milde bzw. geringgradige Hepatitis:
    • Geringe fokale Grenzzonenhepatitis
    • geringe bzw. mäßige portale Entzündungsinfiltrate
    • keine Gruppennekrosen
    • einzelne parenchymatöse Einzelzellnekrosen (Piper 2013)
  • Grad 3 sog. mäßige bzw. mittelgradige Hepatitis:
    • mäßige bis schwere portale Entzündungszeichen
    • erhebliche Grenzzonenhepatitis
    • keine Brücken- oder panlobuläre Nekrosen
    • zahlreiche azinäre Einzelzellnekrosen
    • vereinzelte Gruppennekrosen
  • Grad 4 schwere bzw. hochgradige Hepatitis:
    • Schwere portale Entzündungsinfiltrationen
    • Grenzzonenhepatitis
    • Schwere azinäre Entzündung
    • Gruppennekrosen
    • Evtl. Brücken- und panlobuläre Nekrosen (Piper 2013)

Allgemeine Information

Das Blut von Patienten, die an einer kryptogenen Hepatitis erkrankt sind, ist als infektiös anzusehen (Kramer 2001).

Vorkommen

Die kryptogene Hepatitis findet sich bei bis zu 20 % der an einer Hepatitis Erkrankten (Herold 2025).

Man schätzt die Häufigkeit der an kryptogener Hepatitis Erkrankten auf insgesamt 5,4 %. Bei Patienten mit Leberzirrhose wird bei 5 – 30 % eine kryptogene Zirrhose diagnostiziert (Czaja 2011).

Ätiologie

Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Kasper (2015) reiht sie in die Kategorie der Virushepatitiden ein.

Klinik

Die Erkrankung verläuft im Frühstadium oftmals symptomlos bzw. symptomarm. Erst bei Beeinträchtigung der Leberfunktion kommt es zu Symptomen wie z. B. Müdigkeit, allgemeiner Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Übelkeit, Ikterus.

Diagnostik

Die kryptogene Hepatitis ist eine Ausschlussdiagnose.

Labor

Nachweis von Autoantikörpern wie z. B. LP, ANA, SMA, LKM, Anti-SLA-Antikörper (Adler 2000)

In einer Studie von Akyüz et al. (2019) konnte gezeigt werden, dass hohe Positivraten für Anti-HEV-IgG und HEV-RNA bei Patienten mit kryptogener Zirrhose bestehen.

Differentialdiagnose

- Autoimmunhepatitis

- Steatotische Lebererkrankung unbekannter Ursache (Adler 2000)

Komplikation(en)

Interne Therapie

Bei einer akuten kryptogenen Hepatitis wurde in einer Studie bei vier Patienten mit ALT-Werten > 1.000 U/l und Bilirubinwerten > 400 µmol/l eine immunsuppressive Therapie mit Prednisolon und in einem Fall Azathioprin erfolgreich eingesetzt. Es kam darunter zu einem Abfall der Aminotransferasen und einer raschen Normalisierung der Leberfunktion. Das Ansprechen der Therapie könnte auf eine autoimmune Genese der Erkrankung hinweisen (Potthoff 2007).

Operative Therapie

Bei der kryptogenen Hepatitis besteht die Indikation zur Lebertransplantation (Czaja 2011).

Prognose

Die 1-Jahres-Überlebensrate nach Lebertransplantation liegt zwischen 72-85 %, die 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 58-73 % (Czaja 2011).

Literatur

  1. Adler G, Manns P, Müller-Lissner S, Beglinger C, Schmiegel W (2000) Klinische Gastroenterologie und Stoffwechsel. Springer Verlag Berlin / Heidelberg / New York 437
  2. Akyüz F, Cavus B, Pinarbasi B, Bozaci M, Baran B, Akyuz U, Uyanikoglu A, Demir K, Besisik F, Özdil S, Boztas G, Mungan Z, Badur S, Yenen S, Kaymagoglu S (2019) Cryptogenic liver cirrhosis and hepatitis E virus (HEV): Are they related? Ann Hepatol. 18 (4) 585 - 589
  3. Burchardi H, Larsen R, Schuster P, Suter P M (2004) Die Intensivmedizin. Springer Verlag Berlin / Heidelberg 601
  4. Czaja A J (2011) Cryptogenic chronic hepatitis and ist changing guise in adults. Dig Dis Sci. 56 (12) 3421 - 3438
  5. Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 556
  6. Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education 1990
  7. Kramer A, Heeg P, Botzenhart K (2001) Krankenhaus- und Praxishygiene. Urban und Fischer Verlag München / Jena 68
  8. Leitlinien Thomas Berg, Niklas F. Aehling, Tony Bruns, Martin-Walter Welker, Tobias Weismüller, Jonel Trebicka, Frank Tacke, Pavel Strnad, Martina Sterneck, Utz Settmacher, Daniel Seehofer, Eckart Schott, Andreas Anton Schnitzbauer, Hartmut H. Schmidt, Hans J. Schlitt, Johann Pratschke, Andreas Pascher, Ulf Neumann, Steffen Manekeller, Frank Lammert, Ingo Klein, Gabriele Kirchner, Markus Guba, Matthias Glanemann, Cornelius Engelmann, Ali E. Canbay, Felix Braun, Christoph P. Berg, Wolf O. Bechstein, Thomas Becker, Christian Trautwein (2023) S2k-Leitlinie Lebertransplantation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) AWMF-Registernummer: 021 – 029
  9. Piper W (2013) Innere Medizin. Springer Medizin Verlag Berlin / Heidelberg 403, 406, 414
  10. Potthoff A, Deterding K, Trautwein C, Flemming P, Strassburg C P, Manns M P, Wedemeyer H, Bahr M J (2007) Steroidbehandlung bei schwerer akuter kryprogener Hepatitis. Z Gastroenterol 45 (1) 15 - 19

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