Arzneimittelinduzierte Sarkoidose-ähnliche Reaktion
Synonym(e)
Definition
Als eine arzneimittelinduzierte Sarkoidose-ähnliche Reaktion (DISR) wird eine systemische (mono- oder multiorganische) granulomatöse Gewebereaktion bezeichnet, die von einer Sarkoidose nicht zu unterscheiden ist und zeitlich mit der Behandlung mit einem Arzneimittel zusammenfällt (Lambert N et al. 2021).
Ätiopathogenese
Mehrere Kategorien an Medikamenten werden mit der Entstehung einer DISR in Verbindung gebracht:
- Immun-Checkpoint-Inhibitoren
- Targeted Therapy (BRAF/MEK-Inhibitoren) (v. Meirschen M et al. 2025)
- Hochaktive antiretrovirale Therapiemodalitäten (HAART)
- Interferone
- TNF-alpha-Antagonisten
- Interleukin-6- und Interleukin-6-Rezeptor-Antagonisten (s.u. Interleukin-6)
Lokalisation
DISR kann grundsätzlich in allen Organen auftreten. Bevorzugt sind Haut, Lunge, Leber betroffen (Lambert N et al. 2021).
Therapie
Analog zur Sarkoidose erfordern DISRs nicht zwangsläufig eine Behandlung, da sie unter Umständen keine nennenswerten Symptome, keine Beeinträchtigung der Lebensqualität oder keine Organfunktionsstörungen verursachen. Da sich eine DISR in der Regel bessert oder zurückbildet, wenn das auslösende Medikament abgesetzt wird, sollte diese Option als wirksamste Behandlungsmethode für eine DISR primär in Erwägung gezogen werden. Wenn eine Behandlung einer DISR erforderlich ist, sind die Standardtherapien die bei Sarkoidose wirksam zu sein zu favorisieren.
Hinweis(e)
Es wird diskutiert, ob die Entstehung einer DISR als positiver Effekt des auslösenden Medikaments zu werten ist (Chopra A et al. 2018).
Hinweis(e)
Die Sarkoidose ist eine granulomatöse Multiorganerkrankung, die vermutlich auf die Exposition gegenüber bislang noch nicht identifizierten Antigenen bei genetisch prädisponierten Personen zurückzuführen ist. Die überschießende Entzündungsreaktion, die zur Granulombildung führt, ist äußerst komplex und umfasst sowohl das angeborene als auch das adaptive Immunsystem. Diverse Arzneimittel können unter bestimmten Voraussetzungen sarkoidoseähnliche Reaktionen induzieren. Sarkoide-Granulome der Haut weisen eine spezifische Anreicherung an Typ-1-angeborenen lymphoiden Zellen (ILC1) und B-Zellen auf und zeigten molekulare Programme, die mit der Bildung reifer tertiärer lymphoider Strukturen (TLS) assoziiert sind, darunter eine verstärkte CXCL12/CXCR4-Signalübertragung (Sati S et al. 2024).
Literatur
- Altemir A et al. (2020) Interstitial granulomatous dermatitis following tocilizumab, a paradoxical reaction? Dermatol Ther 33:e14207.
- Charollais R et al. (2018) Deux observations de granulome annulaire sous anti-PD1. Ann Dermatol Venereol 145:116-119.
- Chopra A et al. (2018) Drug-Induced Sarcoidosis-Like Reactions. Chest 154:664-677.
- Lambert N et al. (2021) Lung and liver sarcoidosis-like reaction induced by tocilizumab. Br J Clin Pharmacol 87:4848-4852.
- Miedema J et al. (2024) The immunopathogenesis of sarcoidosis. J Autoimmun 149:103247.
- Sati S et al. (2024) Recruitment of CXCR4+ type 1 innate lymphoid cells distinguishes sarcoidosis from other skin granulomatous diseases. J Clin Invest. 2024 Sep 3;134(17):e178711.
- van Meirschen M et al. (2025) DISR in einer Tätowierung im Rahmen einer adjuvanten Systemtherapie mit BRAF-/MEK-Inhibitoren und COVID-19-Impfung. derm 5: 586-588.