Natriumtetradecylsulfat

Zuletzt aktualisiert am: 09.07.2026

Synonym(e)

Natrium-1-isothiouronium-tetradecylsulfat; STS

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Definition

Natriumtetradecylsulfat ist ein anionisches Detergens (Tensid), das seit mehreren Jahrzehnten als Sklerosierungsmittel zur Behandlung von Varizen und venösen Malformationen eingesetzt wird. Es schädigt gezielt das Endothel von Blutgefäßen und führt dadurch zu einem thrombotischen Verschluss des Gefäßes mit nachfolgender Fibrose.

Summenformel von Natriumtetradecylsulfat: C₁₄H₂₉NaO₄S; Molekulargewicht: 316,4 g/mol; Substanzklasse: anionisches Tensid; Eigenschaften: wasserlöslich, oberflächenaktiv, membranschädigend. 

Pharmakodynamik (Wirkung)

Nach der Injektion in das Gefäß kommt es  zur (toxischen) Zerstörung der Lipidmembran der Endothelzellen und zur raschen Ablösung des Endothels, zur Aktivierung von Thrombozyten und Gerinnung. Es bildet sich ein intravasaler Thrombus. Durch die Organisation des Thrombus kommt es zur Fibrosierung des Gefäßes und zu einem dauerhaften Gefäßverschluss. Die Wirkung von STS ist daher chemisch induziert und nicht immunologisch , wenn auch sekundär eine lokale Entzündungsreaktion auftritt.

Pharmakokinetik

Nach intravasaler Injektion wird STS rasch an Plasmaproteine gebunden und in der Leber metabolisiert. Die Metaboliten werden überwiegend renal ausgeschieden. Aufgrund der lokalen Anwendung sind systemische Wirkungen bei korrekter Dosierung selten.

Indikation

STS wird eingesetzt bei:

  • Besenreisern
  • retikulären Varizen
  • Seitenastvarizen
  • größeren Stammvarizen (vor allem als Schaumsklerosierung)
  • Ösophagusvarizen
  • venösen Malformationen: Bei dieser Indikation wird STS häufig interventionell unter Bildgebung appliziert.
  • Lymphangiomen (Off-label)

Dosierung und Art der Anwendung

Schaumsklerosierung: Heute wird STS häufig als Mikroschaum verwendet. Zur Herstellung des Schaums wird häufig die Tessari-Methode angewendet (Luft oder CO₂/O₂-Gemisch/Tessari L et al. 2001). Vorteile: längerer Kontakt mit dem Endothel, geringere Verdünnung durch Blut, höhere Wirksamkeit, geringere Wirkstoffmenge erforderlich.

Konzentrationen von STS. Je nach Gefäßgröße:

  • 0,1–0,25 % Besenreiser
  • 0,5 % retikuläre Varizen
  • 1 % Seitenäste
  • 2–3 % größere Varizen

Unerwünschte Wirkungen

Häufig an der Injektionsstelle: Schmerzen, Brennen, lokale Schwellung, Hämatome

Hyperpigmentierung, oberflächliche Thrombophlebitis

Gelegentlich: Matting, kleine Hautnekrosen (meist paravasale Injektion), Nervenreizungen

Selten: tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, Sehstörungen, Migräneartige Symptome, transitorische neurologische Symptome

Sehr selten: schwere allergische Reaktionen, Anaphylaxie.

Kontraindikation

Akute tiefe Venenthrombose, schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit, lokale Infektion, bekannte Überempfindlichkeit gegen STS, Immobilität

Schwangerschaft: relative Kontraindikation!

Hinweis(e)

Stellenwert in der heutigen Therapie: Trotz der weiten Verbreitung endovenöser thermischer Verfahren (Laser, Radiofrequenz) bleibt STS ein wichtiger Bestandteil der Phlebologie. Es ist insbesondere bei Besenreisern, retikulären Varizen und als Schaumsklerosierung kleiner bis mittelgroßer Varizen etabliert. Bei venösen Malformationen gehört es ebenfalls zu den Standard-Sklerosierungsmitteln.

Literatur

  1. Bukina OV et al. (2023) Low concentration of sodium tetradecyl sulfate and hypertonic glucose solution for the treatment of telangiectasia: A prospective randomized clinical trial. Phlebology 38):622-627.
  2. Davies HO et al. (2022) Adverse neurological events after sodium tetradecyl sulfate foam sclerotherapy - A prospective, observational study of 8056 treatments. Phlebology 37:97-104.
  3. Hren C et al. (1996) Sclerotherapy of telangiectases using sodium tetradecyl sulfate (Sotradecol). N C Med J 57:42-46.
  4. Rehman KU et al. (2009) The use of foam sclerotherapy for the treatment of head and neck vascular malformations. Br J Oral Maxillofac Surg 47:631-632.
  5. Reich-Schupke S et al. (2008) Schaumsklerosierung-Metaanlyse der Studien. Vasomed 20: 22-23
  6. Society for Vascular Surgery und American Venous Forum. Leitlinien zur Behandlung von Varizen und chronischer Venenerkrankung.
  7. Tessari L et al. (2001) Preliminary experience with a new sclerosing foam in the treatment of varicose veins. Dermatol Surg 27:58-60.

Zuletzt aktualisiert am: 09.07.2026