Lichen planus des Ösophagus

Zuletzt aktualisiert am: 05.03.2026

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Synonym(e)

Oesophageal Lichen Planus; Ösophagealer Lichen planus; Ösophagus-Lichen planus -Erkrankung

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Erstbeschreiber/Historie

Der ösophageale Lichen planus auch Ösophagus-Lichen planus -Erkrankung (ELP) genannt, wurde erstmals 1982 beschrieben (Al-Shihabi et al. 1982).

Definition

Lichen planus-Befall des Ösophagus. Der Ösophageale Lichen planus wurde initial als seltene Manifestation des Lichen planus der Haut (LP) interpretiert. Versch. Studien zeigten jedoch eine Ösophagusbeteiligung bei bis zu 50 % der Patienten mit kutanem oder oralem LP (Quispel R et al. 2009). ELP ist dabei nicht zwangsläufig mit einer oralen Beteiligung assoziiert, sondern kann auch bei reinem Haut-LP auftreten. Allerdings wird bei den meisten Patienten mit schwerem ELP ein oraler Lichen planus beobachtet (Fox LP et al. 2011). Weiterhin ist eine Ösophagusmanifestation überdurchschnittlich häufig mit dem Auftreten anderer Schleimhautbeteiligungen, wie z. B. genitalem LP, assoziiert. 

Vorkommen/Epidemiologie

Die Bestimmung der tatsächlichen Prävalenz des ELP stellt weiterhin eine statistische Herausforderung dar. Belastbare Zahlen würde ein endoskopisches Screening einer großen Gruppe von Patienten mit Lichen planus (LP) erfordern, unabhängig von der Lokalisation der Erkrankung oder den klinischen Symptomen. Geht man davon aus, dass etwa 10 % aller LP-Patienten eine Ösophagusbeteiligung aufweisen, könnte die geschätzte Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung 0,1 % erreichen, was die bekannte Prävalenz der eosinophilen Ösophagitis (0,04–0,05 % in westlichen Ländern) übersteigen würde (Straumann A et al. 2018). Von einer höheren Assoziation des ELPs ist bei oralem LP auszugehen.

Ätiopathogenese

Pathophysiologie (analog zur Haut): CD8⁺-T-Zell-vermittelte Zytotoxizität; Angriff auf basale Keratinozyten des Plattenepithels; Interface-Dermatitis  hier: Interface-Mukositis. Molekular dominiert eine IFN-γ-dominierte Immunantwort ( CXCL9/10-Achse) mit einem epithelialen Apoptoseprozess.

Manifestation

Das mittlere Alter bei Erstvorstellung beträgt 60 Jahre; 70–80 % der Patienten sind weiblich (Kreysel W et al. 2025).

Klinik

Typisch sind : Dysphagie, Odynophagie, retrosternales Brennen mit dem Gefühl dass die Nahrung „stecken“ bleibt. Konsekutiv kann Gewichtsverlust eintreten. Viele Patienten werden initial als:Refluxkrankheit, Candidaösophagitis oder eosinophile Ösophagitis fehlinterpretiert. Das klinische Spektrum reicht von asymptomatischen Verläufen bis hin zu schweren Symptomen. Grundsätzlich kann der ösophageale Lichen planus als Präkanzerose gewertet werden. Somit sollten Patienten mit symptomatischer Dysphagie endoskopisch untersucht werden. 

Bei Patienten mit oralem Lichen planus (ELP) sowie Dysphagie ist stets auch ein ösophagealer LP in Erwägung zu ziehen. Viele Fälle werden, da möglicherweise symptomarm, erst nach Jahren erkannt!

Endoskopischer Befund: Charakteristisch ist der proximale Befall des Ösophagus. Es finden sich weißliche Plaques oder ein weißliches Netzmuster. Es besteht eine deutliche Schleimhautfragilität („mucosal sloughing“). Weiterhin typisch sind die fehlenden distalen Refluxerosionen des ösophagealen Refluxes. 

Histologie

Bandförmiges lymphozytäres Infiltrat, Hyperkeratose / Parakeratose des Epithels, basale Zellschädigung, apoptotische Keratinozyten (Civatte bodies), basale Fibrinablagerungen. 

Differentialdiagnose

Medikamenteninduzierte lichenoide Ösophagitis: An amnese, Histologie

GvHD (Anamnese und Klinik, Hautveränderungen "Sklerodermie-artig"

Pemphigus vulgaris (Nachweis von Pemphigus-Antikörpern)

Eosinophile Ösophagitis (Klínik jund Histologie sind diagnostisch)

Therapie allgemein

Lokal (First line) - Orale topische Steroide:

  • z.B. Budesonid viscös
  • Fluticason Spray

Interne Therapie

Systemisch (bei schweren Verläufen)

  • systemische Kortikosteroide
  • Azathioprin
  • Mycophenolat
  • Cyclosporin
  • Retinoide (Einzelfälle)

Neu diskutiert: Der Einsatz von JAK-Inhibitoren: In mehreren Fallberichten und Fallserien wurden die Sicherheit und Wirksamkeit von Upadacitinib, Tofacitinib, Baricitinib und Ruxolitinib (1 Artikel) bei der Behandlung von LP-Varianten beschrieben (Motamed-Sanaye A et al. 2022).

Auch über den erfolgreichen Einsatz von Phosphodiesterase-4-Inhibitoren wie Apremilast wurde berichtet (Tekin B et al. 2024).

Prophylaxe

Regelmäßige endoskopische Kontrolle werden dringend empfohlen!

Hinweis(e)

Es besteht eine relevantes onkologisches Risiko für eine erhöhte Bildung eines Plattenepithelkarzinoms des Ösophagus (analog zum oralen Lichen planus. Die Daten sind limitiert).

Bei Patient mit oralem Lichen planus (ELP) sowie Dysphagie ist stets auch ein ösophagealer LP in Erwägung zu ziehen. Viele Fälle werden erst nach Jahren erkannt.

Literatur

  1. Abduelmula A et al. (2023) The Use of Janus Kinase Inhibitors for Lichen Planus: An Evidence-Based Review. J Cutan Med Surg 27:271-276.
  2. Al-Shihabi et al. (1982) Dysphagia due to pharyngeal and oesophageal Lichen Planus. J Laryngol 96:567-571
  3. Didona D et al. (2025) Use of JAK Inhibitors in Lichen Planus: An Update. Medicina (Kaunas)  61:1056.
  4. Fox LP et al. (2011) Lichen planus of the esophagus: what dermatologists need to know. J Am Acad Dermatol 65:175-83.
  5. Hertel M et al. (2022) Onset of Oral Lichenoid Lesions and Oral Lichen Planus Following COVID-19 Vaccination: A Retrospective Analysis of about 300,000 Vaccinated Patients. Vaccines (Basel) 10:480.
  6. Huang MY et al. (2023) Janus-kinase inhibitors in dermatology: A review of their use in psoriasis, vitiligo, systemic lupus erythematosus, hidradenitis suppurativa, dermatomyositis, lichen planus, lichen planopilaris, sarcoidosis and graft-versus-host disease. Indian J Dermatol Venereol Leprol 90:30-40.
  7. Hudek M (1913) Louis Frédéric Wickham (1861–1913) . Bull Soc Fr Dermatol Syphiligr  24 : 541 – 543 .
  8. Kreisel W et al. (2025) Esophageal Lichen Planus-Contemporary Insights and Emerging Trends. Biomedicines 13:2621.
  9. Mendling W (2023) Vulvabefunde-Beispiele aus der Praxis: Teil 21. Gyn 28:228-233
  10. Motamed-Sanaye A et al. (2022) JAK inhibitors in lichen planus: a review of pathogenesis and treatments. J Dermatolog Treat. 2022 Dec;33(8):3098-3103.
  11. Quispel R et al. (2009) High prevalence of esophageal involvement in lichen planus: a study using magnification chromoendoscopy. Endoscopy 41:187-93).
  12. Roopashree MR et al. (2010) Pathogenesis of oral lichen planus--a review. J Oral Pathol Med 39:729-734.
  13. Saeed S et al. (2022) Vitamin D in the Treatment of Oral Lichen Planus: A Systematic Review. Biomedicines 10:2964.
  14. Singh R et al. (2023) Actinic Lichen Planus: Significance of Dermoscopic Assessment. Cureus 15:e35716.
  15. Sonthalia S et al. (2018) Case Report: Dermoscopic features of oral lichen planus - the evolution of mucoscopy. F1000Res 7:284.
  16. Straumann A et al. 2018) Diagnosis and Treatment of Eosinophilic Esophagitis. Gastroenterology 154:346-359.
  17. Tekin B et al. (2024) Lichen Planus: What is New in Diagnosis and Treatment? Am J Clin Dermatol 25:735-764.
  18. van Hees CLM et al. (2023) Lichen planus [Lichen planus]. Ned Tijdschr Tandheelkd 130221-226.
  19. Weston G et al. (2015) Update on lichen planus and its clinical variants. Int J Womens Dermatol 1:140-149.

Autoren

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