Amyloidosen kutane und Juckreiz

Zuletzt aktualisiert am: 07.11.2026

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Definition

Der Zusammenhang zwischen kutaner Amyloidose und Juckreiz funktioniert in beiden Richtungen:

  • Chronischer Juckreiz kann die Entstehung einer kutanen Amyloidose begünstigen (Friktionsamyloidose).
  • Umgekehrt kann die Amyloidose den Juckreiz unterhalten oder verstärken.

Es entsteht ein selbstverstärkender neuroepidermaler Kreislauf.

Allgemeine Information

Ausgangspunkt des pathogenen Prozessen ist die keratinozytäre Amyloidbildung

Bei den kutanen Amyloidosen, insbesondere dem Lichen amyloidosus und der makulösen kutanen Amyloidose, stammt das dermal abgelagertem Amyloid überwiegend aus degenerierten epidermalen Keratinozyten. Der pathogenetische Ablauf lässt sich folgendermaßen rekonstruieren: 

  • Chronischer Pruritus führt zu wiederholtem Kratzen und Reiben.
  • Die mechanische Beanspruchung schädigt basale Keratinozyten und begünstigt deren Apoptose.
  • Keratinbestandteile gelangen in die papilläre Dermis.
  • Dort werden keratinassoziierte Amyloidfibrillen (Amyloid K) gebildet und extrazellulär abgelagert.

Diese Amyloidablagerungen können mit Veränderungen kutaner Nervenfasern und anhaltendem Pruritus einhergehen.

Der pathogenetische Circulus vitiosus

  • Pruritus
  • Neuroepidermale Dysregulation
  • Chronisches Kratzen und Reiben
  • Mechanische Schädigung basaler Keratinozyten
  • Keratinozytendegeneration
  • Freisetzung und Umwandlung keratinassoziierter Proteine
  • Amyloidablagerung in der papillären Dermis
  • Neuroepidermale Veränderungen
  • Mögliche Verstärkung des Pruritus und erneutes Kratzen
  • Rückkopplung zum Pruritus

Pathophysiologie

Warum juckt die kutane Amyloidose?

Mehrere Mechanismen werden diskutiert.

  • A. Neuropathische Komponente: Bei kutanen Amyloidosen wurden Veränderungen der intraepidermalen Nervenfasern beschrieben. Dazu gehören eine verminderte Nervenfaserdichte und strukturelle Veränderungen epidermaler Nervenendigungen. Eine solche Schädigung kann mit neuropathischem Pruritus verbunden sein. Allerdings ist nicht abschließend geklärt, in welchem Umfang diese Veränderungen Ursache oder Folge des chronischen Kratzens sind.
  • B. Genetik:  IL-31 und neuroimmunologische Signalübertragung: Besonders aufschlussreich sind genetische Untersuchungen familiärer Formen der primär lokalisierten kutanen Amyloidose. Dabei wurden Mutationen in zwei Genen identifiziert:
    • OSMR: kodiert die Oncostatin-M-Rezeptor-β-Untereinheit.
    • IL31RA: kodiert die α-Untereinheit des Interleukin-31-Rezeptors.
    • Beide Rezeptorkomponenten sind an der Signalübertragung von IL-31 beteiligt, einem wichtigen pruritogenen Zytokin. Der funktionelle IL-31-Rezeptor besteht aus IL-31RA und OSMRβ. IL-31 kann über diesen Rezeptorkomplex sensorische Neurone aktivieren und Juckreiz vermitteln. Bemerkenswert ist, dass bestimmte krankheitsassoziierte Mutationen die Rezeptorfunktion beeinträchtigen. Der Juckreiz lässt sich deshalb nicht einfach durch eine gesteigerte IL-31-Signalübertragung erklären. Wahrscheinlich spielen Veränderungen der epidermalen Homöostase und der neuroepidermalen Kommunikation eine zusätzliche Rolle.

Epidermale Schädigung und Entzündung:

  • Wiederholtes Kratzen verursacht eine mechanische Barrierestörung. Daraus können sekundäre Entzündungsreaktionen und die Freisetzung pruritogener Mediatoren resultieren. Diese Vorgänge begünstigen eine weitere Sensibilisierung kutaner Nervenendigungen und damit die Chronifizierung des Pruritus.

Klinik

Lichen amyloidosus: Meist ausgeprägter, chronischer Juckreiz; häufig pruriginöse Papeln an den Unterschenkeln

Makulöse kutane Amyloidose: Variabler Pruritus; häufig im interskapulären Bereich

Noduläre kutane Amyloidose: Häufig kein oder nur geringer Pruritus; andere Amyloidzusammensetzung, überwiegend Immunglobulin-Leichtketten.

Sekundäre kutane Amyloidablagerungen: Pruritus abhängig von der zugrunde liegenden Dermatose

Notalgia paraesthetica: Bei der Notalgia paraesthetica besteht ein primär neuropathischer Pruritus, meist im interskapulären Bereich. Chronisches Kratzen und Reiben kann zu einer umschriebenen Hyperpigmentierung und gelegentlich zu sekundären kutanen Amyloidablagerungen führen. Damit stellt die Notalgia paraesthetica ein anschauliches Beispiel dafür dar, dass neuropathischer Juckreiz der Amyloidbildung vorausgehen kann, statt erst durch diese ausgelöst zu werden.

Literatur

  1. Arita K et al (2008) Oncostatin M receptor-beta mutations underlie familial primary localized cutaneous amyloidosis. American Journal of Human Genetics 82:73–80.
  2. Soriano LF et al. (2018) An intensely pruritic pebbled presentation. Dermatol Online J 24:13030/qt6tp6f9c4.
  3. Tanaka A et al. (2009) Oncostatin M receptor-beta mutations in familial primary cutaneous amyloidosis. American Journal of Human Genetics. 2009;85:542–548.
  4. Tey HL et al. (2011) Targeted treatment of pruritus: a look into the future. British Journal of Dermatology 165:5–17.

Zuletzt aktualisiert am: 07.11.2026